Stellungnahme S.E. Hiob, Bischof von Stuttgart, zu den Ereignissen in der Lawra von Swjatogorsk
- Der Bote
- vor 8 Stunden
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Am 23. August 2026, gegen 11 Uhr vormittags, wurde Vater Barsanuphius, ein Mönch der Lawra von Swjatogorsk in der Ukraine, umgebracht. Zwei weitere Menschen – ein Novize und ein Mitarbeiter desselben Klosters – wurden dabei schwer verletzt. Nach Aussage eines der Überlebenden ereignete sich Folgendes: Als die drei auf ukrainische Soldaten trafen, forderten diese sie auf, der Ukraine die Ehre zu erweisen ("Slawa Ukraine" – eine unter ukrainischen Nationalisten weit verbreitete Parole, auf die die Antwort zu folgen hat: "Ruhm den Helden" – Anm. der Redaktion). Auf diese nationalistische Parole antwortete Vater Barsanuphius: „Ich bin Mönch. Ehre sei unserem Herrn Jesus Christus!“ Daraufhin wurde ihm in den Kopf geschossen und auf ihn eingestochen. Auf ähnliche Weise wurde der Novize Gregorij misshandelt, durch Messerstiche schwer verletzt und anschließend in ein Bachbett geworfen. Trotz Verletzung im Bereich der Lunge und eines enormen Blutverlustes schaffte er es bis zum Mönchstrakt. Nach medizinischer Erstversorgung wurde er hospitalisiert. Ähnliches widerfuhr auch dem Laien und Elektriker Andrej.
Die Deutsche Diözese der Russischen Auslandskirche (ROKA) unterstützt die Lawra seit vielen Jahren mit humanitären Hilfslieferungen, die insbesondere den zahlreichen dort betreuten Flüchtlingen zugutekommen. Die neue Prüfung, die über die Bruderschaft der Lawra hereingebrochen ist, hat nicht nur sie und uns erschüttert, sondern die gesamte orthodoxe Welt. Wir sehen, wie Vertreter zahlreicher Orthodoxer Kirchen mit Schmerz und Bestürzung auf das Geschehene reagiert haben.
Gleichzeitig bietet sich uns ein anderes Bild: weitgehendes Schweigen der ukrainischen Medien und völliges Schweigen der deutschen Medien in dieser Angelegenheit. Ich würde mir selbst etwas vormachen, wenn ich dieses Schweigen als überraschend bezeichnen würde. Wir leben in einer Zeit einer bislang ungekannten Intensität von Informationspropaganda und Informationskrieg. Denn: Getötet wurde ein Mönch, der – aus der Sicht des ukrainischen Nationalismus – der „falschen“ Kirche angehörte.
Die rücksichtslose und leider vermutlich straflos bleibende Ermordung eines Vertreters jener Kirche, die in der Ukraine seit vielen Jahren am Rande eines staatlichen Verbots steht, führt uns gedanklich zurück in die Zeit des frühen Christentums, als Vertreter einer religio illicita – einer verbotenen Religion – zum Wohle der Allgemeinheit vernichtet werden konnten und sogar sollten.
Die Heilige Kirche hat auf diese Herausforderung längst ihre Antwort gegeben: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen. Wenn der oben wiedergegebene Augenzeugenbericht der Wahrheit entspricht, dann ist Vater Barsanuphius ein Märtyrer im eigentlichen Sinne des Wortes: ein Zeuge (martys) der Wahrheit Christi.
Die Wahrheit Christi aber bleibt in alle Ewigkeit: Die Pforten der Hölle werden die Kirche niemals überwältigen! (Mt 16,18)
+ Bischof Hiob von Stuttgart





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