top of page

Der Mensch – eine Viruskrankheit des Planeten Erde?

Bischof Hiob (Bandmann)

Neulich bei einer Wanderung in den deutschen Voralpen stieß ich auf ein Schild für die „Besucher dieses Biotops“. Es wird zu „Rücksicht“ und „Achtsamkeit“ auf die Tiere und Pflanzen aufgefordert, man solle auf keinen Fall von den „ausgewiesenen Wegen abkommen“, um „das Wild nicht zu verschrecken“ oder die „unter Naturschutz stehenden seltenen Vögel nicht in der Brutzeit zu stören“, den „eigenen Müll bitte mitnehmen“, die „Hunde an der Leine halten“ und am besten „nichts berühren“. Ich fühlte mich wie ein Eindringling in eine zarte und hochsensible Welt, die nicht auf den Menschen und seine ungewollt zerstörerische Art vorbereitet ist, kurz: wie ein Elefant im Porzellanladen. Dieses Gefühl, dass ich als zivilisierter Mensch nicht mehr zur Natur gehöre und die Natur nicht zu mir, hat mich stutzig gemacht. Welche Rolle hat der Mensch dann in der Welt? Wo gehört er überhaupt noch hin?

Den fleißigen Verfassern und Aufstellern solcher Schilder nach zu urteilen wäre es wohl besser, wenn sich der Mensch in seine Betonwüste zurückziehen würde. Oder wäre es gar das Beste, wir verschwänden ganz vom Erdboden? Wäre dann die Natur wieder in ungestörter Harmonie? So träumte schon der französische Schriftsteller Gustave Flaubert im Jahre 1838:

Dann werden die Bäume wachsen, grünen, ohne daß eine Hand da wäre, die sie fällen und zerbrechen könnte; die Flüsse werden durch bunte Wiesen fließen, die Natur wird frei sein, ohne Menschen, die sie behindern könnten, und diese Rasse wird erloschen sein, denn sie war von Kindheit an verflucht.

Die abendländische Umwelt- und Ökobewegung hat im Laufe ihrer langen Geschichte mehrere Phasen durchgemacht. Von der ehrlichen und in ihrem Kern christlichen Sorge um die von der Industrialisierung verdrängte und gestresste Natur über die Kritik an Kapitalismus und Massenkonsum, die von einer grenzenlosen Gier und Expansionswut angetrieben werden, bis hin zur Identifizierung des Menschen an sich als Grundübel, als das „grausamste aller Tiere“, als parasitären „Schimmelüberzug“ (Schopenhauer) des Planeten Erde, hat sie sich immer weiter radikalisiert. So gibt es heute Menschen, die sich bewusst dagegen entscheiden, Kinder zu bekommen, weil sie diese nicht in einer vom Klimawandel beeinflussten Welt aufwachsen lassen möchten. Strömungen wie das Voluntary Human Extinction Movement (VHEMT, gegründet 1991) treten angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Zerstörung der Umwelt sogar für das freiwillige Aussterben der Menschheit ein.

Tatsächlich haben wir in den Industriestaaten von der unberührten Natur inzwischen so wenig übriggelassen, dass wir die wenigen grünen Inseln wie Museums-Installationen pflegen und schützen müssen. Die Probleme rund um Klimawandel und Artensterben sind real.

Bischof Hiob (Bandmann)

In unserer Gegenwart erleben wir, wie zwei unterschiedliche Lösungsansätze aus dem Lager der „Mensch=Parasit“-Anschauung aktiv verfolgt werden. Auch wenn viele ihrer Protagonisten diese Ideologie nicht so konsequent zu Ende denken, geschweige denn sie so offen aussprechen, wie ich es hier versuchen will, ist es m.E. legitim, sie in ihrer Klarheit für sich sprechen zu lassen.

So arbeiten eine Gruppe von Superreichen und ihre Anhänger, die den kapitalistischen Ressourcen-Hunger als unveräußerliche Eigenschaft des Menschen ansehen, an der Expansion der menschlichen Zivilisation ins Sonnensystem und darüber hinaus. Wenn der Parasit-Mensch seinen Wirt – die Erde – ausgelutscht hat, muss er sich, um selbst zu überleben, neue Planeten suchen, am besten noch bevor seine Heimat vollends kollabiert. Es gilt daher, so schnell wie möglich die notwendigen Technologien und Fähigkeiten zu entwickeln, um andere erdähnliche Planeten bereisen und besiedeln zu können.

Diesen oft als Longtermismus (das Forcieren sehr ferner Lösungen, anstatt die Probleme der Gegenwart anzugehen) bezeichneten techno-salvatorischen Ansatz können wir belächeln oder ignorieren, er zieht aber immer mehr Menschen in seinen Bann.

Während nun diese Lösung zutiefst kapitalistisch anmutet, könnte der nächste Vorschlag aus einem marxistischen Manifest stammen:

Europäische Kolonisator*innen erfanden eine ‘Natur’, die aufgrund ihrer vermeintlichen Unterlegenheit beherrscht und kontrolliert werden müsste. Auf dieser Grundlage beuteten europäische Kolonialmächte die ‘Natur’ in den kolonisierten Gebieten hemmungslos aus. (Aus den Leitthesen der „Letzten Generation“)

Die bislang von allen anderen Klassen ausgebeutete, durch das Kapital versklavte und ultimativ schwächere „Mutter Natur“ muss sich auflehnen und die Macht ergreifen. Eine neue Revolution muss her! Auch wenn es dabei von dieser Ideologie getriebene Menschen sind, die der Natur bei der Machtergreifung helfen und zu ihrem Sprachrohr avancieren, wird es diese als Paradies ohne Menschen stilisierte Natur selbst sein, die ihre vermeintlichen Interessen dem Menschen aufzwingen werden wird, nach dem Motto: Was der Natur nützt, nützt Allen.

Diese öko-kommunistische Ideologie schlägt sich bereits seit einiger Zeit in der Realpolitik mancher Regierungen und Behörden wieder und provoziert zuletzt reichlich Unmut und Protest in der Bevölkerung. An diesem Kulturkampf wollen wir uns nicht direkt beteiligen, denn die Polarisierung der Lager und der mitunter unlautere Kampf um die Deutungshoheit machen es immer schwerer, eine vernünftige Debatte zu führen.

Die dramatischen Vorhersagen des „Club of Rome“ 1972 haben durch ihre tendenziösen Übertreibungen das Vertrauen in die Umweltforschung nachhaltig geschwächt. Der erneuerte Weckruf vieler Wissenschaftler, wie er auf der Mainauer Deklaration zum Klimawandel 2015 formuliert wurde, traf auch deshalb auf eine gemischte Resonanz. Trotzdem macht es m.E. keinen Sinn, sich vor der Tatsache des Klimawandels und seiner schwerwiegenden Folgen für Mensch und Umwelt zu verschließen. Zum ersten Mal in der Geschichte droht menschliches Handeln das globale Klima so weit zu verändern, dass dramatische Folgen für große Teile der Erde zu erwarten sind. Auch für die Kirche geht es um die richtige Einordnung und theologische Deutung der Lage und um die Suche nach einer adäquaten Antwort.

Dies haben auch die christlichen Konfessionen erkannt. Schauen wir nur auf die beiden Dokumente der (Röm.-Kath.) Deutschen Bischofskonferenz (Die deutschen Bischöfe – Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, Kommission Weltkirche Text Nr. 29 – 2006-7) sowie der EKD (Studie des Beirats des Beauftragten des Rates der EKD für Umweltfragen, EKD-Text 52, 1995), so sieht man viele Gemeinsamkeiten. Die positive „mitschöpferische Verantwortung“ für die Welt, welche Gott dem Menschen laut Gen 2,15 verliehen hat, verpflichtet ihn auch, verantwortungsvoll und weitsichtig mit der Natur umzugehen, von der er ja auch trotz seiner teilweisen Emanzipierung immer noch abhängig ist. Es wird anerkannt, dass „eine globale Katastrophe durch eine von Menschen verursachte Klimaveränderung denkbar ist“ und dadurch auch die Kirchen „in doppelter Weise“ vor einer Herausforderung stehen: „einmal auf dem Gebiet von Glauben und Lehre, zum anderen auf dem Gebiet eigenen Lebens und Handelns.“

Die Evangelische Kirche sieht ihre besondere Rolle in den westlichen Demokratien als Anwältin einer weitsichtigen und nachhaltigen Politik und als Predigerin einer generationengerechten Ethik, quasi als Gegengewicht zum oft auf das Zeitmaß des nächsten Wahltermins reduzierten Politikbetrieb. Auch die Röm.-Kath. Kirche will zumindest eine „theologische Grundlage für die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft und eines gerechten Verhältnisses zur außermenschlichen Natur“ liefern, ohne dabei freilich ein „Patentrezept“ zur Lösung der Krise zu versprechen. Die praktischen Ansätze, wie z.B. das „Autofasten“ (in der Fastenzeit möglichst auf das Autofahren zu verzichten), sollen einen Gesinnungswandel der Teilnehmer bewirken und ein sichtbares „Zeugnis“ für die christliche Moral ablegen, nach dem Motto „mit gutem Beispiel voran“.

In der orthodoxen Kirche hat sich besonders Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel durch sein Engagement für den Umweltschutz als theologisches Thema der Stunde hervorgetan. Davon zeugen zahlreiche Publikationen und Symposien. Im März 1992 rief er bei einem Treffen der Oberhäupter der orthodoxen Kirchen in Konstantinopel dazu auf, den 1. September, also den Beginn des Kirchenjahres, zum „Tag des Gebetes für die Umwelt“ zu machen:

Die unüberlegte und eudämonistische Ausbeutung der materiellen Schöpfung durch den Menschen mit Hilfe des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts hat schon begonnen, eine irreversible Katastrophe in der natürlichen Umwelt herbeizuführen. Die Orthodoxe Kirche, die angesichts einer solchen Katastrophe nicht indifferent bleiben kann, ruft durch uns alle Orthodoxen dazu auf, den ersten September eines jeden Jahres, den Tag des Anfangs des Kirchenjahres, dem Gebet und dem Flehen für die Rettung der Schöpfung Gottes und der Aneignung jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die Göttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten.

Hier zeigt sich der besondere Charakter des orthodoxen Weges, der sich weniger in idealistischem Pragmatismus und Moralismus, als im Bewusstsein des Angewiesenseins auf Gott und im Gebet als eigentlicher transformativer Kraft, im Menschen wie in der Welt, ausdrückt. Wo immer der Mensch nur auf sich selbst vertraut und nicht das Zusammenwirken („Synergia“) mit Gott sucht, muss er an seiner Begrenztheit scheitern.

Das heißt nicht, dass es mit der Einrichtung eines kirchlichen Gedenktages für die Natur getan ist. Die Orthodoxe Theologie spricht von einer notwendigen Verwandlung jedes Einzelnen, von der Heilung, Heiligung und sogar der Vergöttlichung des Christen, die ihn u.a. auch in den paradiesischen Urzustand der Harmonie mit der Natur zurückversetzt. So sehen wir es in zahlreichen Heiligenviten, wo Heilige von wilden Tieren umgeben in der Natur leben.

Wir wollen aber zunächst entgegen der Theorie, der Mensch sei ein Parasit, eine christliche Erklärung für die so offensichtliche Konsum- und Zerstörungswut des Menschen anbieten, bevor wir auf die Heilungsmöglichkeiten eingehen.

Die Paradieserzählung in Gen 2-3 stellt den Menschen anfangs in einen von Gott eigens für ihn angelegten Lustgarten und erinnert an ein ursprünglich harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur. Durch den Sündenfall, der bezeichnenderweise mit der „Vertrautheit mit Gut und Böse“, also einem moralischen Bewusstsein, in Verbindung gebracht wird, hat der Mensch nicht nur seine natürliche Beziehung zu Gott verloren, sondern auch zu sich selbst („ich fürchtete mich, weil ich nackt bin“). Zusammen mit Adam und Eva ist schließlich auch die Schöpfung insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten, ihr Schicksal, ihre „Seele“ ist nach Paulus untrennbar mit dem ihres Lehnsherren verbunden.

Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden – nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat (Röm 8,20).

Sogar die Vergänglichkeit der Schöpfung, die Eigenschaft, die aufgrund ihrer Materialität so unauflöslich mit ihrem Wesen verbunden zu sein scheint, entpuppt sich für Paulus als Folge derselben „Knechtschaft“, unter die der Mensch gefallen ist und durch die er die Natur mit-geknechtet hat.

Die Frage, ob und wie die biblische Erzählung und ihre christliche Deutung mit den modernen Erkenntnissen aus Archäologie und Genforschung vereinbart werden können, würde in diesem Beitrag zu weit führen. Als gläubiger Christ möchte ich das Ob jedoch grundsätzlich bejahen.

Damit erklärt sich die scheinbare Feindseligkeit der „wilden“ Natur und der Naturgewalten dem Menschen gegenüber als Spiegel seiner eigenen Bosheit und sein Jahrtausende währender Kampf um die Unabhängigkeit von ihren Launen und um die Erschließung ihrer unwirtlichsten Regionen als pädagogische Maßnahme Gottes. Per aspera ad astra. Nahrung und Raum zum Überleben musste und muss der Mensch der Natur in aller Regel mit Mühe und Gewalt entreißen. Im Konkurrenzkampf zwischen lebensfeindlicher Wildnis und kultiviertem nutzbarem Land konnte der Mensch allerding zunehmend seine Überlegenheit ausspielen. Wohl bemerkt: eine transformierte und kultivierte Natur ist noch keine zerstörte. Auch ein geebnetes, von „Unkraut“ und Steinen befreites Weizenfeld ist Natur, auch ein streng geometrisch angelegter Barockgarten mit geraden Wasserkanälen und Gehwegen, künstlich eingefärbten Blumen, und streichelzahmen Ziertieren ist Natur – vom Menschen nach seinem Bilde, nach seinem Geiste geschaffen. Ob eine so geartete Gestaltung der Umwelt moralisch „gut“ oder „schlecht“ ist, hängt von der Intention und dem Seelenzustand ihres Schöpfers ab. Es gibt fürsorgliche und achtsame Gärtner bzw. Tierhalter, aber es gibt auch grausame und egoistische. Die Tatsache der Vereinnahmung oder „Einmischung“ kann m.E. aus christlicher Sicht nicht verurteilt werden.

Dagegen könnte man vielleicht einwenden, dass der Mensch erst seit Kurzem anfängt, die Komplexität und Vielfalt der Biotope zu verstehen, in die er seit jeher brachial eingreift. Dass beispielsweise die Monokulturen der Landwirtschaft die Artenvielfalt bedrohen oder die Genmanipulation von Pflanzen und Tieren sich auch auf die Nahrungskette und benachbarte Arten negativ auswirken kann, haben wir nicht nur erst im Nachhinein bemerkt, die Verantwortlichen nehmen es auch größtenteils achselzuckend in Kauf. Ich sehe jedoch auch hier kein Argument für die moralische Verwerflichkeit jeder menschlichen Expansion, sondern stattdessen eine historische Korrelation der jeweiligen technischen Möglichkeiten und der Tragweite ihrer negativen Nebenwirkungen. Daher ist es gut, dass wir heute unser Wissen um die feinmaschigen Wechselwirkungen des Lebens auf allen seinen Ebenen auch dahingegen anwenden, dass wir diese großen, kleinen und mikroskopischen Biotope in ihrer Vielfalt zu erhalten versuchen – solange dabei nicht die Prioritäten auf den Kopf gestellt werden, und beispielsweise der Lebensraum eines Juchtenkäfers für wichtiger erklärt wird als ein Infrastruktur-Projekt, das tausenden Menschen zugutekommt.

Im Hiobbuch findet sich der bemerkenswerte Gedanke festgehalten, dass nicht alles auf dieser Welt nur um des Menschen willen und für seine unmittelbaren Bedürfnisse geschaffen ist. Gottes Fürsorge richtet sich nicht nur auf den Menschen und seinen Lebensraum, sondern auch auf die für den Menschen unzugängliche und bedrohliche Wildnis. So fragt Gott in seiner Rede an Hiob provokativ:

Erjagst du für die Löwin die Beute, und stillst du die Gier der jungen Löwen…?

Wer hat den Wildesel frei laufen lassen, und wer hat die Fesseln des Wildlings gelöst, dem ich die Steppe zur Behausung machte und zu seiner Wohnung das salzige Land? Er lacht über das Getümmel der Stadt, das Geschrei des Treibers hört er nicht. Was er auf den Bergen erspäht, ist seine Weide, und allem Grünen spürt er nach. (Vgl. Hi 38,39–39,30)

Auch die Elemente der Natur, die dem Menschen keinen direkten Nutzen bringen, haben ihre eigene Existenzberechtigung und ihren Wert. Der Egozentrismus des Menschen, der sich aus dem Schöpfungsbefehl „Füllt die Erde, und macht sie euch untertan“ (Gen 1, 28) nährt, wird hier korrigiert. In Wirklichkeit fordert Gott vom Menschen auch eine uneigennützige Fürsorge für die Natur, ein Mitgefühl auch für die wilden Bestien und unansehnlichen Wüstentiere. Die Schöpfung ist als ein Ganzes zu betrachten, dessen Haupt zwar der Mensch ist, kein noch so kleiner Teil von ihr jedoch als wert- oder sinnlos gelten kann. Die Natur wird damit für den Menschen zu einem Lehrmeister der uneigennützigen Fürsorge und verantwortungsvollen Herrschaft im Kleinen, wie im Großen.

Die orthodoxe Kirche nährt keine Illusionen, so als ob sie die Menschheit umerziehen, Missionare eines Paradieses auf Erden stellen und so den Lauf der menschengemachten Geschichte verändern könnte. Wir sehen uns als Fremde in dieser bösen Welt, welche ihrerseits der Katastrophe entgegeneilt – dem Eschaton.

Denn die Christen … bewohnen jeder sein Vaterland, aber nur wie Beisassen, … jede Fremde ist ihnen Vaterland und jedes Vaterland eine Fremde. … Sie sind im Fleische, leben aber nicht nach dem Fleische. (Brief an Diognet)

Doch jeden Augenblick der Geschichte, in denen die Vernunft gegen den Wahnsinn obsiegt und der Kreislauf des Bösen durchbrochen wird, begrüßen und unterstützen sie.

[Die Christen] weilen auf Erden, aber ihr Wandel ist im Himmel. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten in ihrem Lebenswandel die Gesetze. Sie lieben alle und werden von allen verfolgt.

Sollte sich die Menschheit angesichts der drohenden Katastrophe zu einer Lösung durchringen, die von Allen Opfer und echte Anstrengungen erfordert, werden die Christen ihren Beitrag dazu leisten. Darüber hinaus stellt unsere friedliche Rebellion gegen den Geist einer jeden Zeit, unsere Verweigerung der Anhängerschaft irgendeiner Partei des gesellschaftlichen und politischen Pferderennens, eine ständige Provokation und Herausforderung der menschlich-zivilisatorischen Bequemlichkeit dar, ja, auch ein den ganzen Selbstbetrug des Gutmenschentums entlarvendes Bekenntnis zum wahrhaft Guten, das niemanden kalt lässt. Das ist die Aufgabe der Christen.

Der Mensch ist also kein Schmarotzer oder Parasit, sondern von Gott eingesetzter Herrscher dieser Welt, welcher sich nicht nur ihrer Früchte bedienen kann, sondern auch die Fürsorge Gottes für alles Lebende widerspiegeln soll. Das bedeutet auch, dass man der Natur ihren eigenen Raum gewährt. Darüber hinaus ist er zum „Mitschöpfer“ berufen, der sich der von Gott geschaffenen Dinge bedienen kann, um sich selbst auszudrücken in der Gestaltung seiner Umwelt. Bei alledem trägt er vor Gott die Verantwortung für das, was er tut. Wenn eine von Bosheit oder Egoismus erfüllte Seele den Geschöpfen Gottes böses antut, dann hat sie damit ihre Macht missbraucht, ihre Berufung verfehlt.

Christus hat uns daher dazu aufgerufen, zuallererst uns selbst zu verändern, denn erst dadurch kann sich das Schicksal der ganzen Schöpfung wenden. Von Veränderung sprach er aber nicht moralisierend, er predigte auch nicht das positivistische Schneeballprinzip der kleinen Schritte, wie Autofasten, Mülltrennen oder Veggie-Tuesday. Die „metanoia“ (im Deutschen meist mit Buße, Reue oder Umkehr übersetzt) bedeutet einen ganzheitlichen Sinnes- und Lebenswandel, dessen Anfang, Mitte und Ziel Jesus Christus selbst ist. Nur Seine Nachfolge befähigt uns, unser wahres Menschsein und damit auch unsere verlorene Einheit mit der Natur wiederzuentdecken. Und erst diese radikale Verwandlung kann wiederum andere mitziehen. Dieser geistliche Prozess kann nur im Dialog (Gebet) und im Zusammenwirken (Synergia) mit Gott gelingen.

Während also die Umweltforscher uns mit Untergangsszenarien aufrütteln, die Medien vegane Burger anpreisen und Politiker auf Gipfeltreffen um Maßnahmen ringen, wird die orthodoxe Kirche wie eh und je zu Umkehr und Gebet aufrufen.

81 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comentários


bottom of page