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SENDSCHREIBEN DES BISCHOFSSYNODS

An den Klerus, die Mönche und die gottesfürchtige Herde der Russischen Auslandskirche*

Ehrwürdige Väter, geliebte Brüder und Schwestern!

Wir freuen uns über unsere brüderliche Begegnung und die fruchtbaren Werke dieser Sitzung des Bischofssynods, die in diesen Tagen der Weihnachtsfastenzeit stattfand, danken Gott für seine Barmherzigkeit und grüßen euch alle mit den Worten des kirchlichen Segens: "Friede allen!“ Denn die Menschheit hungert nach dem Frieden Christi.

Versammelt um die Kursker Ikone der Gottesmutter "des Zeichens" beten wir inbrünstig zur über alles gesegneten Jungfrau, der Hodigitria (Wegführerin) der Fülle der Russischen Auslandskirche, für die Einheit der Heiligen Orthodoxie und - ob unseres stärksten Schmerzes - für die baldige Beendigung des Bruderkriegs.

Im ausgehenden Jahr wurde das 150. Jubiläum der Geburt großer Leuchten am Firmament der Russischen Diaspora gefeiert - Seiner Seligkeit des Metropoliten Anastasiij (Gribanov­skij) und des Erzbischofs Vitalij (Maksimenko). Während wir voll der Sorge sind wegen der Ereignisse im Heiligen Land und im Gebiet der Kiewer Rus, denken wir zugleich daran, wie Vladyka Anastasij – der die Aufsicht über die Tätigkeit der Russischen Geistlichen Mission in Jerusalem innehatte – hart daran arbeitete, ihre Stellung zu festigen, und wie Vladyka Vitalij in Wolhynien durch seine aktive missionarische und soziale Tätigkeit Berühmtheit erlangte. Im Gedenken an sie, strecken wir Seiner Seligkeit Theophilos III., Patriarch der Heiligen Stadt Jerusalem und ganz Palästinas, Seiner Seligkeit Metropolit Onufrij von Kiew und der ganzen Ukraine, den Erzpriestern, Pfarrern, Mönchen und gläubigen Mitgliedern der Orthodoxen Kirche von Jerusalem und der kanonischen Ukrainischen Orthodoxen Kirche die Hand der christlichen Liebe und des Mitgefühls aus. Mit bischöflicher Fürsorge lenken wir den Stab unserer Gebete auf Archimandrit Roman (Krassovsky) und seine Brüder, auf die Äbtissinen und Schwestern, die ehrfurchtsvoll das Licht jener Kerze aufrechterhalten, die einst Abt Daniel am lebenspendenden Heiligen Grab entzündet hatte und welches seitdem in die Flammen russischer Leuchten übergegangen ist – der Klöster und Vertretungen der Russischen Geistlichen Mission in Jerusalem.

Angesichts der überall zu sehenden Feindschaft und Zwietracht, der Grausamkeit und Ungerechtigkeit, der Mutlosigkeit und Angst, des Kummers und der Leiden der Menschen, eilen wir im Vorfeld des Weihnachtsfestes, dem Klerus und der Herde der Russischen Auslands­kirche Frieden mit Gott zu wünschen, Frieden untereinander, Frieden mit dem Gewissen und himmlische Hilfe beim Beschreiten des Weges des Glaubens und der Tugend, der Mensch­lich­keit und des Anstands. "Wenn es euch möglich ist", sagen wir mit den Worten des Apostels Paulus, "habt Frieden mit allen Menschen" (Röm 12:18). Denn die gegenseitige Geduld und Achtung füreinander ist unser christliches Minimum. Hier ist der Anfang der Liebe Christi. Deshalb darf man einander nicht mit Hass und Bosheit überschütten. Das würde das Übel, welches über uns gekommen ist, nur noch verschlimmern. In dieser Zeit ist es am wichtigsten, die Leidenschaften zu überwinden und uns im Gebet für die Beendigung des Blutvergießens sowie für die Wiederherstellung des Friedens, der Einmütigkeit und der Freundschaft zu vereinen, für die Stärkung der "Weinenden, der Leid Tragenden, derer, die den Trost Christi erwarten" (aus der Ordnung der Trauerfeier), indem wir all unsere Kraft für die Erweise der christlichen Bruderliebe einsetzen und den Menschen wirksame Hilfe leisten. Ist es doch das Wichtigste und Wertvollste unter den gegebenen Umständen, vor allem anderen Mensch-Christ zu sein und zu bleiben.

In der Tat ist, wie Nikolai Wassiljewitsch Gogol es ausdrückte, "der Teufel bereits ohne Maske in diese Welt gekommen", sucht, überall Streit zu säen und alle zu entzweien, und dies nicht nur auf Grundlage des Kriegsgeschehens, sondern auch in Bezug auf politische Fragen und verschiedene radikale "Ideologien". Letztere sind der christlichen Morallehre fremd. Dennoch werden sie als Norm in der Zivilgesellschaft und in den Lehrplänen vieler Länder eingeführt, wo unsere Heilige Kirche weilt. Und hier ist es notwendig, in Wahrung unserer christlichen Art, ruhig, aber entschieden und mit Würde, die Heilige Orthodoxie, die Lehre von der Ehe, unsere Familien, die traditionellen Werte und die religiösen Freiheiten zu verteidigen. Und wenn unser Wort mit dem Beispiel eines guten christlichen Lebens verbunden ist, mit der aktiven Fürsorge für die Kinder und ihrer Erziehung im christlichen Geist, dann wird dieses Wort ein lebendiges und überzeugendes Zeugnis sein, nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, sondern auch für die uns umgebende Gesellschaft.

Wir halten daran fest: wie schwierig die Situation auch sein mag, in der sich das Leben eines Christen abspielt, welche schwarzen Wolken sich auch immer über ihm zusammen­brauen, er stets siegreich aus allen Übeln hervorgehen wird, wenn es ihm mit Gottes Hilfe gelingt, seinen Glauben zu bewahren. So mahnt der heilige Gregor der Theologe: "bleib fest, du gläubige christliche Seele, in allen Anfechtungen des Lebens: in Glück und Unglück neige dich weder zur einen, noch zur anderen Seite, sondern halte immer an einem fest – dem Glauben an Christus, den Herrn. Ihn allein sollst du anbeten und Ihm dienen auf allen Wegen deines Lebens. Als die Heiligen drei Könige ins judäische Land zogen, stießen sie auf keine geringeren Hindernisse als du, aber sie gaben ihre Absicht und ihr Verlangen nicht auf und wurden gewürdigt, Christus Gott, den im Fleisch Erschienenen, anzubeten".

Abschließend wünschen wir allen von Herzen einen würdigen Verlauf der Weihnachts­fastenzeit, um den auf die Erde kommenden Sohn Gottes im Frieden ihrer Gedanken und Gefühle anzubeten! Amen.

+ NIKOLAI Metropolit von Ostamerika und New York, Ersthierarch der Russischen Auslandskirche

+ MARK Metropolit von Berlin und Deutschland

+ GABRIEL Erzbischof von Montreal und Kanada

+ IRENEI Bischof von London und Westeuropa

+ THEODOSY Bishof von Seattle. Stellvertretender Sekretär des Bischofssynods

+ HIOB Bischof von Stuttgart


*Von der Redaktion: Zum Abschluss seiner Arbeit hat der Bischofssynod den Text der folgenden Botschaft an den Klerus, die Mönche und die Herde angenommen, der bei der Göttlichen Liturgie am Sonntag, dem 10. Dezember 2023, dem Festtag der Kathedrale des Zeichens in der Residenz des Synods in New York, verlesen wurde. - synod.com

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