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Ein Wort über das Geistes- und Herzensgebet„Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner (des Sünders)“

Vortrag des Bischofs David von Krusevac (Serbische Orthodoxe Kirche) beim Orthodoxen Treffen 2023

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Wir sehen unsere Aufgabe darin, uns an die Grundsätze dieses Gebets, des Jesusgebets, zu erinnern. Bei dieser wichtigen Angelegenheit rufen wir den hl. Markus von Ephesos (Markos Eugenikos) zu Hilfe, der sich im entfernten Jahr 1430 dieses Themas angenommen hatte. Er lebte damals in der Kaiserstadt Konstantinopel, im Kloster von Mangana.

Die Göttlichen Worte dieses Gebets gehen auf die Göttliche Schrift selbst und die drei höchsten Apostel zurück. Genauer gesagt, empfingen die Apostel diese heiligen Worte vom Himmlischen Vater. Wir glauben auch, dass Christus den Aposteln durch die göttlichen Prophetien, geistigen Offenbarungen und die Stimme Gottes zeigte, was sie über dieses Gebet schreiben oder sagen sollten.

„Niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, außer im Heiligen Geist“, verkündet der hl. Apostel Paulus (1 Kor 12:3). Wir erfahren also, dass die Anrufung des Herrn Jesus eine erhabene Tätigkeit ist, die die Fähigkeiten vieler Menschen übersteigt. Der hl. Apostel Johannes setzt diese Worte des Paulus an den Beginn seines erweiterten Gebets, in welchem er sagt: „Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott“ (1 Joh 4:2)[AL1] . Beide Apostel bestimmten die Anrufung und das Bekenntnis zu Christus als eine Tätigkeit der geistigen Gnade. Schließlich schenkt uns der hl. Apostel Petrus auch das Ende des Gebets: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Diese Offenbarung erhielt Petrus, nach den Worten Christi, von oben, vom Vater (Mt 16:17) bzw. vom Heiligen Geist.

Hierin besteht die dogmatische Begründung und Fundierung der Gebetspraxis des heutigen Mönchtums.[1]

Ein mit dem Anfang verbundenes Ende – ein wundersamer Kreis

Der eine Apostel sagt: Herr Jesus, der zweite: Jesus Christus, und der dritte: Christus, Sohn Gottes. Hier wird das Ende wie in einem Kreis mit dem Anfang verbunden, denn es macht keinen Unterschied, ob man sagt Herr, oder Sohn Gottes; beide Ausdrücke verweisen auf die Göttlichkeit des Eingeborenen und bezeugen, dass Er dieselbe Natur und dieselbe Verehrung besitzt wie der Vater: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes. So sollen wir dem Vermächtnis der Apostel gemäß den Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes im Heiligen Geist bekennen. Dieses Vermächtnis hinterließen uns die drei Apostel, wobei jedes ihrer Worte, gemäß dem Göttlichen Gebot, zwei oder drei Zeugen bestätigen.

Auch die Reihenfolge der drei genannten Apostel hat einen Sinn. Denn das Vermächtnis des Gebets beginnt mit dem zeitlich letzten Apostel, nämlich Paulus, und kommt über Johannes zum ersten Apostel – Petrus, der sich Jesus aus großer Liebe am meisten genähert hat. Sie werden für uns also zum Symbol unseres gesammelten und gleichmäßigen geistigen Fortschritts, unseres Aufstiegs und unserer liebevollen Vereinigung mit Gott, die sich durch Tatkraft (od. Praxis, 1 Kor 15:10: Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht) und durch Kontemplation (od. Theoria: der Apostel Johannes erklomm die Gipfel der Kontemplation) verwirklicht. So sehen wir in Paulus das Vorbild der Tatkraft, in Johannes das Vorbild der Kontemplation und in Petrus das Vorbild der Liebe, denn über Petrus wird bezeugt, dass er mehr als diese liebt (Joh 21:15-17).

Die göttlichen Worte dieses Gebets

beweisen unsere frommen Dogmen

und widerlegen jede abtrünnige Häresie

Durch das Wort Herr wird die göttliche Natur aufgezeigt, wodurch jene abgewehrt werden, die meinen, Jesus sei nur ein Mensch gewesen (d.h. jene um Paulus von Samosata).

Durch das Wort Jesus wird auf die menschliche Natur verwiesen, wodurch jene abgewiesen werden, die meinen, Jesus sei nur Gott, der sich lediglich in der Gestalt eines Menschen zeigte (d.h. die sog. Theopaschiten um Petrus Fullo).

Das Wort Christus umfasst Seine beiden Naturen, und bringt so jene zum Schweigen, die Ihn als Gott und als Menschen anerkennen, doch meinen, dass in ihm die göttliche und menschliche Hypostase getrennt seien (d.h. jene um Nestorius).

Durch die Worte Sohn Gottes wird bekräftigt, dass Seine göttliche Natur auch nach der Vereinigung mit der menschlichen unvermischt bleibt, wodurch jene verstummen, die es wagen, eine Vermischung und gegenseitige Auflösung in die beiden Naturen Christi einzuführen (d.h. die Monophysiten um Eutyches und Dioskoros).

Als Worte Gottes und geistige Schwerter schneiden diese Worte gleich zwei Paare von Häresien ab, die einander zwar entgegengesetzt, aber gleichermaßen gefährlich und gottlos sind.

So sind uns diese göttlichen Worte überliefert worden, die zurecht als Säulen der Orthodoxie und zugleich Säulen des Gebets bezeichnet werden können. Diejenigen, die in ihrem Wachstum in Christus fortgeschritten und ihren Geist vervollkommnet haben, begnügen sich allein mit diesen Worten, ohne ihnen etwas hinzuzufügen. Für diese geistigen Menschen besteht die ganze Gebetsregel aus der Annahme und Verinnerlichung jeder dieser göttlichen Prophetien, wie sie von den Aposteln dargelegt wurden, nämlich Herr Jesus, Jesus Christus, Christus, Sohn Gottes, und manchmal sogar nur in der Anrufung des Namens Jesus. Dadurch werden sie von unbeschreiblicher geistiger Freude erfüllt, treten aus ihrem Körper heraus, entfernen sich aus dieser Welt und werden göttlicher Gaben gewürdigt. Dies ist denjenigen bekannt, die sich dem Gebet gewidmet haben.

Was bedeutet es, wenn wir sagen, dass die ganze Gebetsregel mancher Asketen aus der Wiederholung des Jesusgebets besteht? Es bedeutet folgendes: Wenn der Schüler des Gebets in seiner seligen Geistesschule Fortschritte macht, entspricht die Vielfältigkeit der Gedanken, die für die Psalmen und anderen Gebete charakteristisch ist, nicht mehr seinem seelischen Zustand. In dieser Situation sind das Jesusgebet und andere kurze Gebete besser geeignet, den gewaltigen Durst seines Herzens auszudrücken. Deshalb verbrachten die Gerechten Gottes oft viele Stunden, Tage und Jahre damit, ein solch kurzes Gebet zu wiederholen, ohne dabei in ihrer Konzentriertheit das Bedürfnis nach vielfältigen Gedanken zu verspüren. Genau das meinte der Apostel Paulus, wenn er von sich selbst sagte: Ich will lieber fünf Worte mit meinem Verstand reden […] als zehntausend Worte in einer Sprache (1 Kor 14:19).

Wenn man solch einem Menschen eine (gewöhnliche) Gebetsregel aufträgt, wird der Wind der vielen Worte das Feuer seines Gebets löschen. Für jede Art von Mensch, bzw. für jede Stufe der Annäherung zu Gott, existiert ein entsprechendes Gebet mit seinen jeweiligen Regeln. Natürlich ist hier erfahrener Rat sehr wertvoll, während das eigenwillige Urteilen großen Schaden anrichten kann!

Uns aber, die wir noch Neugeborene in Christus und in der Tugend unvollkommen sind, wurde noch ein passender Zusatz mitgegeben. Er besteht in den Worten: erbarme Dich meiner. Dieser Zusatz bringt uns unseren Rang und die Tatsache ins Bewusstsein, dass wir noch viel des Erbarmens Gottes benötigen. In diesem Gebet unterstützen wir gleichsam jenen Blinden aus dem Matthäusevangelium, der in dem Wunsch, sehend zu werden, dem Herrn hinterherrief: Jesus, […] erbarme dich über mich (Mt 20:30; Mk 10, 47)[AL2] .

In dem Wunsch, noch mehr Liebe in das Gebet hineinzupassen, setzen manche Menschen dieses Gebet in den Plural und sprechen: Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser. Denn sie wissen, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten ist (Röm 13:10; Mt 22:40), und dass die Liebe jedes Gebot und jedes geistige Werk in sich enthält und vervollkommnet. Die Menschen, die auch ihre Mitbrüder liebevoll in die Gemeinschaft des Gebets aufnehmen, rufen die Gnade Gottes noch mehr an: sie verehren Ihn in der Gemeinschaft als Gott und bitten Ihn in der Gemeinschaft um Seine Gnade.

Mit anderen Worten: die Gnade Gottes steigt durch unseren rechten Glauben und durch die Erfüllung Seiner Gebote zu uns herab, wobei der kurze Vers dieses Gebets sowohl das eine als auch das andere enthält.

Was aber die göttlichen Namen betrifft, durch die wir die Gültigkeit der Dogmen betrachtet haben, so kann sich der Zuhörer überzeugen, dass sie in diesem Gebet zeitlich und logisch in der Reihenfolge ausgesprochen werden, in der sie ursprünglich entstanden sind:

1)    Unter dem Namen Herr verkündet das Alte Testament überall Gott den Logos, und zwar vor und nach der Gabe des Gesetzes. Zum Beispiel: Der Herr ließ Feuer von dem Herrn regnen (Gen 19:24) und Es sprach der Herr zu meinem Herrn (Ps 109:1).

2)    Das Neue Testament führt bei der Beschreibung Seiner Menschwerdung den Engel ein, der, gemäß den Worten des göttlichen Lukas, Seinen Namen bestimmt und zur Jungfrau sagt: Du sollst ihm den Namen Jesus geben (Lk 1:31). Denn als Gott und Herr über alles wollte Er in Seiner Heilsökonomie im menschlichen Leib auch zum Erlöser werden, was der Name Jesus übersetzt bedeutet.

3)    Vor Seinem Leiden verbot Er den Jüngern, Seinen Namen Christus preiszugeben. Dieser Name bedeutet die Vergöttlichung der angenommenen menschlichen Natur. Nach dem Leiden und der Auferstehung aber sagt Petrus freimütig: Mit Gewissheit erkenne das ganze Haus Israel: Gott hat diesen Jesus sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht (Apg 2, 36). Mit Recht sprach Petrus diese Worte. Denn unsere Natur, die Gott der Logos angenommen hat, wurde sogleich durch die Gottheit dessen, der sie annahm, gesalbt (Christus bedeutet Gesalbter), doch erst nach der Verherrlichung Jesu durch den Kreuzestod und die Auferstehung von den Toten wurde diese menschliche Natur gleich-göttlich und mit-göttlich mit dem Gott, der sie gesalbt hatte. Deshalb beginnt die Anrede mit dem Namen Christus erst dann, als Er uns nicht nur erschienen war, als er uns nicht nur neu erschaffen und gerettet hatte, sondern als Er unsere Natur auch in den Himmel getragen, sie mit Sich selbst mitverherrlicht und sie des Sitzens an der Seite Gottes des Vaters gewürdigt hatte.

4)    Erst ab diesem Zeitpunkt begannen die Apostel, Ihn auch als Sohn Gottes und Gott zu verkünden. Zuvor, am Beginn ihrer Predigt, berücksichtigten sie Sein Verbot und nannten Ihn selten so. Später aber verkündeten sie Ihn offen so, wie Er, der Retter, sich ihnen Selbst verkündet hatte.

Dabei sind die göttlichen Worte dieses Gebets nach der logischen Reihenfolge und allmählichen Offenbarung des Glaubens angeordnet, so dass die göttliche Weisheit seiner Verfasser in allem und aus allem ersichtlich wird. Das betrifft seine Treue zu den Bekenntnissen und Überlieferungen der Apostel ebenso wie die Tatsache, dass das Gebet unsere frommen Dogmen zum Ausdruck bringt und dass es uns an die Zeit erinnert, als Gott die Güter Seiner göttlichen Heilsökonomie auf vielfältige Weise auf uns ausgoss, um uns durch die entsprechenden Worte zur Gottesverehrung zu führen.

5)    Der spätere Zusatz zu diesem wunderwirkenden Gebet, der seinen Ursprung und seine Bedeutung freilich im Evangelium hat, besteht im allgemein bekannten Gebet des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig oder erbarme Dich meiner, des Sünders (Lk 18, 10-14). Kein Mensch kann ohne eine reuevolle Haltung und ohne das Bekenntnis der eigenen Sündhaftigkeit vor Gott und vor den Menschen gerettet werden, er wird auch nicht imstande sein, die Gabe der Rettung anzunehmen! Denn gerade Satan, die gefallenen Engel und reuelose historische menschliche Persönlichkeiten sind es, die diese Haltung nicht gezeigt haben.

Nur die lange währende Übung mit kleinen und großen Metanien (Verbeugungen und Kniefälle) im Kontext einer ganzheitlichen kirchlichen Askese, und zwar einer Askese, die als Leben und Lebensweise im Einklang mit der Heilsökonomie verstanden ist, können einen Christen und eine Christin dazu befähigen, die geistige Grenze zu überschreiten und sich – von Liebe und Demut erfüllt – Gott zu nähern. Amen.

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Die Kunst des Jesusgebets – ein Zweigespann aus Gebet und Metanien

Die Anhänger aller Religionen bringen die gesamte Kunst ihrer Gebetshandlungen durch die Bewegung all ihrer psycho-physischen Kräfte zum Ausdruck. Auch die orthodoxen Christen vollbringen ihre Gebete: an Jesus Christus, das ehrwürdige Kreuz, die Allheilige Gottesgebärerin, den Schutzengel und die Heiligen, indem sie mit dem Verstand, den Lippen und der Stimme die überaus heiligen Namen anrufen und ihre Gebete mit ihrem Atem, mit Verbeugungen, Kniefällen und Metanien verknüpfen, und indem sie eine reuevolle Haltung oder Bestrebung, Aufmerksamkeit und Ausgewogenheit an den Tag legen! Auf hundert- und tausendfach angerufene Namen kommen hundert- und tausendfach vollzogene Verbeugungen und Metanien – in der Stille des Körpers, der Seele und des Herzens.

In einer Vielzahl orthodoxer Klöster, insbesondere im Kloster des hl. Johannes des Täufers in Essex und des hl. Siluan in Frankreich, wird die gesamte Gebetsregel – mit Ausnahme der Göttlichen Liturgie – mithilfe der Gebetsschnur vollzogen, d.h. sie besteht aus der Anrufung der Namen bei gleichzeitigem Stehen, Verbeugen oder Knien. All dies geschieht immer in der Vereinigung des Geistes, des Herzens, der Lippen, des Stehens, der Gebetsschnur, der großen und kleinen Metanien, der besonderen Weise des Sitzens, bei der der Kopf zu Brust und Herz hin geneigt wird, und des Kniens, niemals aber auf eine reduzierende, formlose oder einfach entspannende Weise!

Heute ist die Kunst des unablässigen Herzensgebets überall auf der Erde bekannt. Natürlich praktizieren es auch die römischen Katholiken, z.B. einige Benediktinermönche in Frankreich, und auch einige Anglikaner in England.

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Die Lebensweise, die uns in den Zustand des unablässigen Stehens vor Gott und des Wandelns vor Seinem wachen Auge führt, ist die Askese, wie sie die orthodoxen Christen in der Geschichte ihrer Gottesliebe und Gotteserkenntnis und ihres Kampfes gegen die Eitelkeit, die Heuchelei und den Stolz immer gekannt und geliebt haben.

Es ist eine Sache der Frömmigkeit und der Vergeistigung, dass der Christ sich unablässig dessen bewusst ist, dass er existiert; dass er weiß, fühlt und sieht, dass sich sein ganzes äußeres und inneres Leben vor dem Herrn Jesus Christus, vor der Allheiligen Gottesgebärerin, vor dem Schutzengel und allen Heiligen entfaltet; dass wir Christen ein lebendiges Buch sind, in dem unser gottgefälliges Leben in Christus, all unser kirchliches Leben zur Ehre des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes beschrieben werden soll!

Wir wollen unser asketisches Wort über das Jesusgebet fortsetzen, indem wir bemerken, dass den heutigen orthodoxen Christen nichts daran hindern kann, in Christus zu leben und in seiner Verchristlichung fortzuschreiten. Auch sonst bewegt er sich zum Königtum auf dem Weg des kirchlichen Gebets und des Fastens, des Erfüllens der Gebote Gottes und der liturgischen Teilnahme am kommenden Königtum Gottes. All dies geschieht in der Kirche auf unserem ohnehin engen Weg zum Königtum. Der orthodoxe Christ hat also keine Ausrede, dieser Reise fernzubleiben, und auch keine Rechtfertigung für die Schwächen, mit denen er ein Fernbleiben begründen würde.

Uns, den Schülern Christi, ist es gegeben, die Geheimnisse des Königtums Gottes zu ergründen, während sie anderen in Gleichnissen gegeben werden… Erinnern wir uns, dass das Wort Gottes ein Samen ist und dass diejenigen, die am Weg sind, das Wort hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel; für eine Zeit glauben sie, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, welche gehört haben und hingehen und durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt werden und nichts zur Reife bringen. Das in der guten Erde aber sind die, welche in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen in Geduld (Lk 8:12-15).

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, schenke uns Geduld, dieses und ähnliches bis zu Ende zu tragen.

****

Über die Methode für den Vollzug des Jesusgebets sollte man nur aus eigener Erfahrung sprechen. Wir können also jedes Wort dieses kostbaren Gebets auf zwei Weisen aussprechen:

a)     Wort für Wort, mit einem bußfertigen Streben und indem wir die Worte durch unser – maßvolles – Gefühl erwärmen. So lehrten es die russischen Väter der Philokalie und Asketen dieses heiligen Gebets. Oder:

b)    Indem wir uns in der Dunkelheit befinden und auf einem niedrigen Hocker sitzen, den Kopf senken und halb nach links drehen, die Augen geschlossenen halten und den inneren Blick auf den Punkt auf unserer Brust über dem Herzen fixieren. Warum? Damit der Verstand allmählich zum Herzen hin gleitet, in einem gottgefälligen Augenblick ins Herz hineinfällt und sich mit ihm vereint.

Natürlich geht dem Zustand der gegenseitigen Durchdringung von Verstand und Herz, bzw. dass der Verstand vom Herz verschlungen wird, der Zustand voraus, in dem das Herz mit den Worten dieses seligen Gebets pulsiert!

Es gibt mehrere überaus wichtige Bedingungen für die Praktizierung dieser Gebetsmethode:

-       Ein vollwertiges kirchliches Leben, das von Aufruhr und Sünde gereinigt ist;

-       Ein Leben in Demut und Gehorsam gegenüber der Kirche;

-       Ein aus Liebe zum Vater und Sohn und Heiligen Geist geführtes Leben gemäß dem Evangelium;

-       Der Segen eines erfahrenen Lehrers;

-       Und nur, wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, kann auch die Ordnung dieses Gebets, einschließlich der Verbindung von Worten und Atem, erfüllt werden, nämlich: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes – Einatmen, den Verstand für einen Augenblick über dem Herzen halten, den Atem für einen Augenblick anhalten und dann ausatmen zu den Worten – erbarme Dich meiner, des Sünders. Oder: Herr Jesus Christus – Einatmen, den Verstand für einen Augenblick über dem Herzen halten, den Atem für einen Augenblick anhalten und dann ausatmen zu den Worten – erbarme Dich meiner.

Die detaillierte Beschreibung der Methode, nach welcher das Herzensgebet technisch vollzogen wird, hat zum Ziel, die Verleumdung Barlaams zu widerlegen. Barlaam nämlich bezeichnete die athonitischen Väter lästerlich als „Bauchnabelschauer“ und behauptete, die Geistigkeit ihres Gebets bestünde nur darin, den eigenen Bauchnabel zu betrachten. Offensichtlich wollte er von der Vereinigung des Herzens und des Verstandes nichts wissen. Denn ohne diese Vereinigung ist die Konzentration auf den eigenen Bauch während des Herzensgebets eine teuflische Verblendung!

Man muss immer bedenken, dass dieses Gebet nichts anderes ist als ein himmlisches Geschenk des Heiligen Geistes, unseres Gottes und Herrn, und dass in ihm kein Platz ist für Sünde und Stolz, sondern nur für Demut und Gottgefälligkeit! Amen!

26. Oktober 2023

David, Bischof von Kruševac (Serbische Orthodoxe Kirche)


[1] Vgl. Jеромонах Иринеј (Буловић), Теолошки погледи, бр. 1-2/1974, стр. 89-93

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