Deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (1926–2026):Abriss der dokumentarischen Geschichte und gegenwärtige Lage
- Der Bote
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Autor: Anatolij Kinstler, Archivar der Deutschen Diözese
Abgedruckt in vollständiger Autorenfassung. Die Zeitschriftenfassung des Artikels erschien erstmals unter: A. W. Kinstler, „Zum hundertjährigen Jubiläum der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland“, in: Journal des Moskauer Patriarchats, Moskau 2026, Nr. 5, S. 53–63.[russ.]
Einleitung
Im Jahr 2026 begeht die Deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland ihr hundertjähriges Bestehen. Die Hauptfeierlichkeiten umfassen ein breites Spektrum liturgischer, konziliarer und wissenschaftlicher Initiativen.
Vom 28. April bis 5. Mai fanden in München die Sitzungen des Bischofskonzils der ROKA statt. Unmittelbar im Anschluss daran wurde vom 6. bis 8. Mai im historischen Schloss Blutenburg eine internationale wissenschaftliche Konferenz abgehalten, die von der Deutschen Diözese gemeinsam mit dem Forschungsportal „Fragen zur Geschichte der Russischen Kirche im Ausland (ROCOR Studies)“ organisiert wurde. In Anwesenheit von Hierarchen der ROKA und geladener Gäste wurden mehr als zwanzig Vorträge zur Geschichte der Russischen Kirche im Ausland gehalten. Das Jubiläumsprogramm umfasste zudem eine Ausstellung, Chorkonzerte mit Werken kirchlicher Komponisten der Emigration unter der Leitung von V.V. Ciolkovitch und A.D. Penner sowie eine Besichtigung des Klosters des heiligen Hiob von Počaev.

Die Jubiläumsinitiativen der Diözese – die wissenschaftliche Konferenz und der geplante Konferenzband – sind der Reflexion über den historischen Weg gewidmet: nicht zur Schaffung eines Paradeauftritts, sondern zur Aufarbeitung des realen Geschehens durch die Betrachtung von Entscheidungen und Persönlichkeiten in ihrem historischen Kontext. Die Geschichte der Diözese entwickelte sich unter sich ständig wandelnden Umständen und war häufig mit scharfen innerkirchlichen wie äußeren Konflikten verbunden. Der vorliegende Abriss reiht sich in diese Jubiläumsreflexionen ein, verfolgt jedoch vor allem das Ziel, den zurückgelegten Weg auf Grundlage von Dokumenten und Quellen zu rekonstruieren.
Die russisch-orthodoxe Präsenz in Deutschland im 18. bis frühen 20. Jahrhundert
Die russisch-orthodoxe Präsenz auf deutschem Boden besaß vor 1917 keine eigene Diözesanstruktur und stand geistlich wie administrativ unter der Leitung des Metropoliten von Sankt Petersburg bei gleichzeitiger Zuständigkeit des Außenministeriums des Russischen Zarenreichs. Ihre Ursprünge reichen ins 18. Jahrhundert, als dynastische Verbindungen zwischen dem russischen Kaiserhaus und deutschen Fürstenfamilien zur Entstehung erster Botschafts- und Hofkirchen an deutschen Höfen führten. Diese Kirchen dienten in erster Linie dem diplomatischen Korps und den Mitarbeitern russischer Vertretungen und waren nicht für ein ausgeprägtes Gemeindeleben vorgesehen. Eine besondere Rolle spielte dabei Berlin, wo seit 1718 eine „Feldkirche“ den russischen Gesandten am preußischen Hof zur Verfügung stand. Eine neue Etappe begann 1837 mit der Einrichtung der Hauskirche des heiligen apostelgleichen Fürsten Wladimir an der Straße Unter den Linden bei der russischen kaiserlichen Botschaft in Berlin.[1]

Dynastische Verbindungen und Gedächtniskirchen: von Berlin bis Wiesbaden
Neben den Botschaftskirchen entstanden orthodoxe Hauskirchen und Kapellen in den Residenzen deutscher Fürsten für Angehörige des russischen Zarenhauses, die durch Heirat mit ihnen verbunden waren. Bereits 1716 wurde in der Residenz Herzog Karl Leopolds von Mecklenburg-Schwerin eine Kirche für seine Gemahlin, die Nichte Peters des Großen, Großfürstin Katharina Iwanowna, eingerichtet. Eine besondere Kategorie bildeten Gedächtniskirchen, die deutsche Herrscher zum Andenken an verstorbene Ehefrauen aus dem russischen Kaiserhaus errichten ließen. König Wilhelm I. von Württemberg ließ zwischen 1820 und 1824 die Grabkirche der heiligen Großmärtyrerin Katharina in Stuttgart-Rotenberg zum Gedenken an seine Gemahlin Katharina Pawlowna, Tochter Kaiser Pauls I., errichten. In den Jahren 1847–1855 erbaute Herzog Adolf von Nassau in Wiesbaden die Kirche der heiligen Elisabeth zum Gedächtnis an seine Frau Elisabeth Michailowna. Beide Kirchen sind bis heute erhalten und stellen bedeutende architektonische Wahrzeichen ihrer Städte dar.

Kuraufenthalte und die Ausweitung der kirchlichen Geographie im 19. Jahrhundert
Eine neue Dimension gewann das russische Kirchenleben in Deutschland im 19. Jahrhundert mit der Verbreitung längerer Aufenthalte der russischen Aristokratie und kulturellen Elite in deutschen Kurorten. Da diese Aufenthalte oft viele Monate dauerten, konnten die Botschaftskirchen in den Hauptstädten die Gläubigen nicht mehr ausreichend betreuen. Die Antwort auf die Streuung der Gläubigen war der Bau orthodoxer Kirchen in den Kurorten, u.a. in Bad Ems und Baden-Baden.
Bedeutende Geistliche und ihr missionarisches Wirken

Einen besonderen Platz in der Geschichte der russischen Orthodoxie in Deutschland nimmt eine Reihe herausragender Geistlicher ein, deren Wirken eine Brücke zwischen russischer und europäischer Kultur schlug. Zu ihnen gehörte Erzpriester Johann Bazarow, der seit 1844 in Wiesbaden diente und von 1851 bis 1895 Vorsteher der russischen Hofkirche in Stuttgart war. Bekannt wurde er als Autor der „Biblischen Geschichte in kurzen Erzählungen“, die über dreißig Auflagen erlebte, sowie als Übersetzer liturgischer Texte ins Deutsche. Zwischen 1851 und 1866 wirkte der Priester Johann Janyschew in Wiesbaden und Berlin. Später wurde er Lehrer der zukünftigen russischen Zarinnen Maria Fjodorowna und Alexandra Fjodorowna sowie Rektor der Geistlichen Akademie von St. Petersburg als Protopresbyter des Zarenhauses.
Eine groß angelegte Bautätigkeit in Berlin und anderen deutschen Ländern ist mit dem Namen Erzpriester Alexei Malzew (1854–1915) verbunden, der 1886 an die Botschaftskirche berufen wurde. Auf seine Initiative hin wurde im Januar 1890 die orthodoxe St.-Wladimir-Bruderschaft gegründet, die von der deutschen Regierung als juristische Person anerkannt wurde. Dieser Status erlaubte der Bruderschaft den Erwerb von Grundstücken in Deutschland.
Mit Mitteln der Bruderschaft und privaten Spenden wurden Grundstücke erworben und Kirchen in Bad Homburg (1899), Bad Kissingen (1901), Görbersdorf (1901), Hamburg (1901), Bad Nauheim (1908), Bad Brückenau (1908), Bad Wildungen (1912) und Danzig (1913) errichtet. Die Tätigkeit der Organisation umfasste sowohl die Planung und Errichtung neuer Gebäude als auch die kirchliche Ausstattung bereits bestehender Räumlichkeiten. 1892 erwarb die Bruderschaft zudem ein Gelände im Berliner Stadtteil Tegel, wo ein russisch-orthodoxer Friedhof, die Kirche der heiligen Konstantin und Helena sowie ein Altenheim entstanden. Vater Alexij veröffentlichte gemeinsam mit seinen Mitarbeitern vierzehn Bände liturgischer Übersetzungen ins Deutsche mit parallelen kirchenslawischen Texten. Diese Ausgaben dienen bis heute als Grundlage moderner Übersetzungen orthodoxer Gottesdiensttexte.
Vom Behördenmodell zur diözesanen Organisation: 1914–1926
Trotz der Vielfalt privater und gesellschaftlicher Initiativen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts blieben die orthodoxen Kirchen und Einrichtungen auf deutschem Boden weiterhin dem Metropoliten von Sankt Petersburg und dem Außenministerium unterstellt. Diese Organisationsform prägte das russische Kirchenleben in Deutschland während der gesamten Regierungszeit der Zaren.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 geriet dieses System jedoch ins Wanken. Die Kirchen galten formal weiterhin als Einrichtungen des Russischen Reiches, doch gerade dieser Status machte sie im Krieg besonders verwundbar. Der Tourismus aus Russland kam zum Erliegen, die Geistlichen verloren diplomatischen Schutz und staatliche Unterstützung und mussten das Land verlassen. Botschafts- und Kurkirchen blieben faktisch ohne Betreuung.
Besonders schwer traf dies das nach Kaiser Alexander III. benannte Haus in Tegel – ein von Erzpriester Alexei Malzew geschaffenes Zentrum –, dessen Bibliothek und Museumssammlungen der Russischen Geschichte und Kirchengeschichte zerstört wurden.[2] Auch die Beschädigung des russischen Botschaftsgebäudes in Berlin erschütterte die institutionelle Grundlage des bisherigen Modells. In den neuen politischen Bedingungen schuf dies die Voraussetzungen für die Entstehung neuer Formen der kirchlichen Organisation der russisch-orthodoxen Gemeinschaft in Deutschland.

Nach der Revolution von 1917 verlor das alte Verwaltungssystem der Auslandsgemeinden endgültig seine Basis. Mit dem Untergang des Zarenreiches verloren die Kirchen ihren offiziellen Verwaltungsstatus und ihre materielle Grundlage. Zudem war der Metropolit von Sankt Petersburg in den Jahren der Revolution und des Bürgerkriegs faktisch nicht mehr in der Lage, die Gemeinden im Ausland zu leiten.
Die Entstehung der Russischen Kirche im Ausland und die „Berliner Periode“ Metropolit Evlogijs
Im entstandenen Machtvakuum übernahm die Provisorische Oberste Kirchenverwaltung in Südostrußland, die auf dem Konzil von Stawropol im Jahr 1919 gegründet wurde, die Verantwortung für die Auslandsgemeinden. Entscheidende Bedeutung hatte die Klärung des Status der Gemeinden im Ausland. Am 14. Oktober 1920 erklärte die Verwaltung offiziell, dass alle russischen Kirchen außerhalb Russlands bis zur Wiederherstellung der Verbindung mit dem Patriarchen ihrer Jurisdiktion unterstünden.[3] Am 15. Oktober 1920 wurde Erzbischof Evlogij (Georgievskij) mit der Leitung der russischen Auslandskirchen betraut. Nach der Evakuierung aus der Krim beschlossen mehrere Bischöfe unter Führung Metropolit Antonijs (Chrapovitskij) im November 1920 im Hafen von Konstantinopel auf dem Dampfer "Großfürst Alexander Michajlovič" die Fortsetzung der Tätigkeit dieser kirchlichen Verwaltung, nunmehr im Ausland.In der Novemberfassung des Erlasses über die Auslandsgemeinden wurden die Befugnisse von Erzbischof Evlogij präzisiert und auf Westeuropa beschränkt. Diese administrative Linie fand in Moskau Anerkennung: Am 8. April 1921 bestätigte Patriarch Tichon durch den Erlass Nr. 423 die Vollmachten Erzbischof Evlogijs.[4] Im März 1921 hatte die Oberste Kirchenverwaltung im Ausland ein neues Dekret an Erzbischof Evlogij übersandt, in dem die Grenzen seiner Zuständigkeit klar festgelegt wurden: Die Vollmachten des Hierarchen waren nun strikt auf das Gebiet Westeuropas beschränkt. In der Folge erklärte Metropolit Veniamin (Kasanskij) von St. Petersburg aufgrund der weiterhin fehlenden Verbindung zum Ausland in einem Schreiben an Erzbischof Evlogij vom 21. Juni 1921 endgültig sein Einverständnis mit der Übertragung der Verwaltung dieser Gemeinden an ihn.[5]
Diese kanonische Struktur entstand aus der Notwendigkeit heraus, die zahlreichen russischen Emigranten seelsorglich zu betreuen. Allein in Deutschland lebten etwa 1.250.000 ehemalige russische Staatsangehörige. Berlin entwickelte sich Anfang der 1920er Jahre zu einem der wichtigsten Zentren der russischen Emigration; 1923 lebten dort über 350.000 Emigranten aus Russland.[6]

Am 26. April 1921 trat Erzbischof Evlogij sein Amt als Leiter der russisch-orthodoxen Gemeinden in Westeuropa mit Sitz in Berlin an. Er bemühte sich um die Rückgabe der während des Ersten Weltkriegs geschlossenen orthodoxen Kirchen und unterstützte die Organisation neuer Gemeinden unter russischen Kriegsgefangenen und Flüchtlingen.
Ein wichtiges Zentrum kirchlichen Lebens blieb die Hauskirche des heiligen Wladimir in der ehemaligen russischen Botschaft. Die Gottesdienste dort wurden von Erzbischof Evlogij gemeinsam mit dem im Botschaftsgebäude wohnenden Archimandriten Tichon (Ljaschtschenko) zelebriert. Nach der Verlegung des Verwaltungszentrums nach Paris Ende 1922 ging die Berliner Gemeinde unter die unmittelbare Leitung Archimandrit Tichons über.
Der Zeitgenosse und Augenzeuge N. D. Talberg beschrieb seinen Dienst in dieser Zeit wie folgt:
„Die Gemeindearbeit in Berlin konzentrierte sich auf Archimandrit Tichon, den man bald zu schätzen wusste. Er zelebrierte die Gottesdienste in vorbildlicher Weise, hielt gute Predigten und war ein wahrer Seelsorger, der sich in das Leben seiner Gemeindemitglieder hineinversetzte. Die russische Kolonie war damals sehr groß. Häufig wurden Vorträge und politische Versammlungen organisiert. Archimandrit Tichon nahm stets an wissenschaftlichen und monarchistischen Vorträgen teil.“[7]
Die Unterzeichnung des Vertrags von Rapallo im Jahr 1922 stellte diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrussland her, was die Übergabe des Gebäudes der ehemaligen Botschaft in Berlin Unter den Linden an sowjetische Diplomaten zur Folge hatte. Archimandrit Tichon gelang es mit Unterstützung der russischen Jugend, aus der Botschaftskirche die wertvollsten liturgischen Geräte und Ikonen zu retten.[8] Die Gemeinde erhielt anschließend neue Räumlichkeiten im Gebäude des russisch-deutschen Gymnasiums in der Nachodstraße.
Die Einrichtung des Berliner Bischofssitzes (1924)
Ein wichtiger Schritt in der Organisation des russischen Kirchenlebens in Deutschland war die Einrichtung eines Bischofssitzes in Berlin. In der entsprechenden Entscheidung durch das Bischofskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA) vom 11./12. April 1924 hieß es, „den Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche in Berlin, Archimandrit Tichon, in den Rang eines Bischofs zu erheben“ und ihm den Titel eines Bischofs von Berlin zu verleihen.[9] Der neue Sitz war jedoch zunächst kein selbständiges Bistum: Bischof Tichon fungierte als Weihbischof unter der Leitung von Metropolit Evlogij. Die Entscheidung markierte eine grundsätzlich neue Phase in der Entwicklung der russischen kirchlichen Organisation in Deutschland und bedeutete den Übergang von dem früheren administrativen Modell kirchlicher Präsenz, in dem die russischen Kirchen in Deutschland außerhalb jeder diözesanen Struktur bestanden, hin zur Bildung einer diözesanen Organisation. Dieser Schritt war umso notwendiger, als sich bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland bereits mehrere eigenständige orthodoxe Gemeinden herausgebildet hatten, die in den Jahren nach der Revolution entstanden waren. Obwohl die Berliner Kathedra in dieser Phase lediglich den Status eines Vikariats hatte, bereitete ihre Einrichtung den Boden für die spätere Bildung der eigenständigen Diözese von Berlin und Deutschland, die zwei Jahre später erfolgte.
Die Gründung der Deutschen Diözese und die kanonische Trennung (1926)
Die Gründung der Diözese im Juni 1926 erfolgte vor dem Hintergrund administrativer Spannungen zwischen Metropolit Evlogij und der Synode der ROKA. Die Entscheidung, die deutschen Gemeinden unter Leitung Bischof Tichons zu einer eigenständigen Diözese zusammenzufassen, entstand aus praktischer administrativer Notwendigkeit heraus.[10]
Als Hauptgründe wurden die Schwierigkeiten genannt, das Leben der Gemeinden gemäß den Vorgaben aus Frankreich zu regeln, sowie die Notwendigkeit, den in Deutschland zunehmend aktiven prosowjetischen und schismatischen „Erneuerern“ wirksam und rasch entgegenzutreten. In diesem Kampf benötigte der Ortsbischof größere Eigenständigkeit und „Schnelligkeit bei der Ergreifung von Maßnahmen“, was bei der Beibehaltung der administrativen Bindung an Paris nicht möglich war. Die Entscheidung stieß auf entschiedenen Widerstand von Metropolit Evlogij, der sie in seiner Korrespondenz mit Metropolit Antonij Chrapovitskij als „unkanonisch“ bezeichnete und als im Widerspruch zum Willen von Patriarch Tichon (Bellavin) stehend ansah. Er verwies dabei auf die Unrechtmäßigkeit einer Zersplitterung der westeuropäischen Metropolie ohne dessen Zustimmung.[11]
Als Antwort verbot der Synod dem Klerus, den Anweisungen von Metropolit Evlogij in deutschen Angelegenheiten zu folgen, und wertete dessen Handlungen als Kompetenzüberschreitung.[12] Damit wurde die kanonische Ausgestaltung der Diözese nicht nur durch synodale Beschlüsse festgelegt, sondern auch durch die faktische Abtrennung vom bisherigen administrativen Zentrum vollzogen, was den eigenständigen Weg der deutschen Diözese vorzeichnete. Trotz der Schärfe des entstandenen Konflikts darf die Bedeutung der vorausgehenden Phase unter der Leitung von Metropolit Evlogij (Georgievskij) nicht verkannt werden. Gerade unter seiner Verwaltung erfolgte zu Beginn der 1920er Jahre die erste Konsolidierung der russisch-orthodoxen Emigranten in Europa, es wurden gemäß den Beschlüssen des Allrussischen Kirchenkonzils 1917–1918 die ersten Gemeinderäte gebildet und ein geregeltes liturgisches Leben in Deutschland etabliert.
An der Spitze der neu gebildeten Diözese blieb Bischof Tichon (Ljaschtschenko) bis 1938; diese Zeit war geprägt von der schrittweisen organisatorischen Ausgestaltung und rechtlichen Verankerung im deutschen Rechtsraum. Der administrative Konflikt mit Metropolit Evlogij fand hier seinen deutlichsten Ausdruck: Während die Gemeinden in Frankreich dem Pariser Zentrum treu blieben, folgte in Deutschland ein Teil der Gemeinden Bischof Tichon. Trotz weiterhin bestehender „evlogianischer“ Präsenz im Land vereinte die Diözese unter Bischof Tichon den größten Teil der russischen Emigranten, wodurch eine Konsolidierung ermöglicht wurde, die die Umsetzung wichtiger Projekte eröffnete, vor allem den Bau einer eigenen Kathedralkirche.
Erste Kathedrale der Diözese
Die Entstehung der Kirche zu Ehren der Auferstehung Christi am Fehrbelliner Platz – ist die Geschichte eines ambitionierten Vorhabens vereint mit einem ebenso raschen Verlust. Die Initiative zu ihrer Errichtung entstand bereits im Oktober 1922, als unter dem Vorsitz von Archimandrit Tichon (Ljaschtschenko) ein Baukomitee gebildet wurde, das die schwierige Aufgabe erhielt, eine Kirche im Zentrum einer europäischen Hauptstadt zu errichten, ohne über eine stabile Finanzierung zu verfügen. Für die Umsetzung wurde der Entwurf des Petersburger Architekten Nikolai W. Wassiljew (1875–1958) gewählt, der eine ungewöhnliche Lösung vorschlug: Aufgrund des Mangels an städtischem Baugrund wurde die Kirche im oberen Stockwerk eines Mietshauses untergebracht. Wassiljew konzipierte das Gebäude als multifunktionales „Kirchenhaus“: Im Erdgeschoss war ein Café vorgesehen, darüber Wohnungen und Verwaltungsräume, während sich im obersten Stockwerk die eigentliche Kathedrale für etwa 600 Gläubige befand. So wurde es möglich, geistliche Aufgaben mit der wirtschaftlichen Logik des Gemeindeerhalts zu verbinden. Der Bau begann am 1. April 1927 an der Ecke Hohenzollerndamm und Ruhrstraße. Am 4. November 1928 fand die feierliche Weihe der Kirche statt. Die Zeremonie wurde von Metropolit Antonij Chrapovitskij, Erzbischof Serafim (Lukjanov) und Bischof Tichon (Ljaschtschenko) vollzogen. Am selben Tag erhob der Bischofssynod die neue Kirche offiziell in den Rang einer Kathedrale der deutschen Diözese.

Die Geschichte dieses einzigartigen Gotteshauses war eng mit den wirtschaftlichen Erschütterungen der Zeit verbunden. Die Baukosten überstiegen das Budget, sodass die Diözese eine Hypothek aufnehmen musste. Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise traf die Gemeinde hart: Der Kredit konnte nicht bedient werden, und das Gebäude wurde bei einer Auktion an eine Baufirma verkauft. In den folgenden Jahren mussten die russischen Gemeindemitglieder ihre eigene Kathedrale vom neuen Eigentümer zurückmieten. Bis 1935 wurde das Gebäude vollständig für zivile Zwecke umgebaut und verlor seine äußeren Merkmale als orthodoxe Kirche. Die Gottesdienste wurden dort bis 1938 fortgesetzt, als die zweite Auferstehungskathedrale am Hohenzollerndamm geweiht wurde. Sie blieb in Erinnerung nicht nur als Zeugnis der Opferbereitschaft der russischen Emigranten in Deutschland, sondern auch als ein bemerkenswertes Beispiel der kreativen Ingeniosität russischer Architekten, die es verstanden, ein geistliches Ideal unter den schwierigen Bedingungen einer europäischen Metropole zu verwirklichen.
Die zweite Kathedralkirche
Die Notwendigkeit des Baus einer neuen Kathedrale wurde Mitte der 1930er Jahre offensichtlich, als die orthodoxe Gemeinde vor dem drohenden Verlust ihres Gotteshauses stand. Die Lösung wurde mit Unterstützung der deutschen Behörden gefunden: Im Bestreben, eine eigene Kirchenpolitik gegenüber den orthodoxen Gemeinden umzusetzen, stellte der Staat ein Grundstück am Hohenzollerndamm zur Verfügung und unterstützte den Bau der neuen Kathedralkirche finanziell. Die Grundsteinlegung Auferstehungskathedrale fand am 31. August 1936 statt; Bischof Tichon (Ljaschtschenko) stand der Zeremonie vor.
Der Entwurf stammte vom russischen Emigrantenarchitekten Sergej Schostowski, der für die äußere Gestalt des Gebäudes auf Formen der altrussischen Architektur Nowgorods zurückgriff und diese mit byzantinisch-romanischen Motiven des Innenraums verband. Die Kirche, die für etwa 500 Gläubige ausgelegt war, wurde innerhalb von rund zwei Jahren errichtet. Die feierliche Weihe der Kathedrale fand am 12. Juni 1938 statt und wurde zu einem bedeutenden Ereignis im Leben der russischen Kirchenemigration in Deutschland. Die Liturgie wurde vom Ersthierarchen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, Metropolit Anastasij (Gribanovskij), geleitet.

Die Kathedrale überstand das Feuer des Zweiten Weltkriegs nahezu unversehrt: Als 1945 große Teile Berlins in Trümmern lagen, blieb die Kirche am Hohenzollerndamm weitgehend erhalten – lediglich mit zerbrochenen Fenstern und einem kleinen Einschussloch in der Kuppel.[13]
Nach Kriegsende befand sich die Kathedrale im westlichen Sektor der Stadt; im Kontext der kirchlichen Nachkriegsentwicklungen ging sie in die Verwaltung des Moskauer Patriarchats über und ist bis heute der Kathedralsitz seiner Berliner Diözese. Zusammen mit ihr gingen auch einige weitere Kirchen der ehemaligen deutschen Diözese der ROKA in die Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats über, darunter die Kirchen in Potsdam, Dresden und Leipzig.
Die deutsche Diözese in den 1930er Jahren: Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und Herausforderungen staatlicher Aufsicht
Die Machtübernahme des neuen politischen Regimes im Jahr 1933 veränderte die Rahmenbedingungen, unter denen das russisch-orthodoxe Leben in Deutschland existierte, grundlegend. Das Verhältnis des nationalsozialistischen Staates zu den orthodoxen Gemeinden folgte keiner einheitlichen Logik: Die ideologischen Grundannahmen des Regimes standen im Widerspruch zu seinen eigenen pragmatischen Interessen.
Während Parteistrukturen (NSDAP) und die Gestapo die Kirche als ideologischen Gegner betrachteten, der unterdrückt werden sollte, verfolgte das 1935 gegründete Reichsministerium für kirchliche Angelegenheiten einen anderen Ansatz – nämlich die Nutzung des religiösen Faktors im Interesse des Staates. Für die Ministerialbeamten erschienen die orthodoxen Gemeinden als wertvolles geopolitisches Instrument zur Stärkung der außenpolitischen Position Berlins. Die staatliche Aufsicht über die Gemeinden verfolgte dabei eine doppelte Zielsetzung: In der Außenpolitik sollte sie dazu dienen, die Eliten orthodoxer Staaten des Balkans, insbesondere Bulgariens und Rumäniens, zu beeinflussen. Gleichzeitig wurde die Diözese als Mittel im ideologischen Kampf gegen die Sowjetunion betrachtet: Die Konstruktion eines Bildes der „freien Kirche“ in Berlin sollte die sowjetische Religionspolitik des Staatsatheismus diskreditieren und den Boden für künftigen deutschen Einfluss in den besetzten Ostgebieten bereiten. Instrument dieser Politik war im Rahmen der Gleichschaltung eine erzwungene Vereinheitlichung: Das Ministerium konsolidierte die Gemeinden – einschließlich der eulogianischen sowie einer Berliner Gemeinde, die sich als in der Jurisdiktion der Moskauer Kirchenleitung befindlich verstand – um die Deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland herum. Ihr konservativer Aufbau und ihr kompromissloser Antikommunismus machten diese Diözese aus Berliner Sicht zu einem besonders effektiven und klar kalkulierbaren Träger kirchlichen Einflusses.
Die praktische Umsetzung der Pläne zur Vereinigung der Gemeinden stieß auf erhebliche Schwierigkeiten. Langjährige Verhandlungen sowie administrativer Druck auf die Gemeinden von Metropolit Evlogij (Georgievskij) führten für Berlin nicht zum erwarteten Ergebnis. Das Resultat war ein komplexer Kompromiss, bei dem die eulogianischen Gemeinden zwar formal der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland unterstellt waren, jedoch mit Zustimmung ihrer Leitung faktisch eine administrative Autonomie sowie die Verbindung zum Pariser Zentrum beibehielten.
Im Rahmen seiner Politik zur Nutzung des kirchlichen Faktors für politische Zwecke unternahm hierbei der nationalsozialistische Staat mehrere Schritte zur Stärkung des Status der ROKA in Deutschland. Ein zentrales Ereignis des Jahres 1936 war die Verleihung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an die deutsche Diözese, was den Übergang von der Rechtsform eines eingetragenen Vereins zu einer höheren Stufe rechtlicher Anerkennung im deutschen Rechtssystem bedeutete. Darauf folgte eine staatliche Unterstützung beim Bau der Auferstehungskathedrale (1936–1938) sowie die Verabschiedung eines speziellen Gesetzes über das „Grundeigentum der Russischen Orthodoxen Kirche“ im Jahr 1938, das die Eigentumsrechte der Diözese rechtlich absicherte. Diese staatliche Förderung gewährleistete das institutionelle Überleben der Diözese, bedeutete jedoch keine ideologische Annäherung an das Regime – zugleich kam sie in eine Situation, die nicht mehr ausschließlich von innerkirchlichen Entscheidungen bestimmt wurde.
Die Diözese in den Jahren des Zweiten Weltkriegs: zwischen seelsorgerischem Dienst und politischem Druck (1939–1945)
Mit Beginn des Krieges zwischen Deutschland und der Sowjetunion im Jahr 1941 verschärfte sich die administrative Lage der deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland erheblich. Trotz der Versuche des Reichsministeriums für kirchliche Angelegenheiten, interministerielle Spannungen abzumildern, wurde der restriktive Kurs der NSDAP und des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) zum bestimmenden Faktor. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Diözese offiziell untersagt, Hilfe für sowjetische Kriegsgefangene zu leisten. Dennoch besuchten einzelne Geistliche halblegal oder illegal Lager, um den Gefangenen seelsorgerische und materielle Unterstützung zu gewähren, was zu Verhören durch die Gestapo führte.
Ab 1942 führte die Diözese im Zusammenhang mit der massenhaften Zwangsrekrutierung von Bürgern der Sowjetunion zur Arbeit in Deutschland eine umfangreichere seelsorgerische Tätigkeit für die sogenannten „Ostarbeiter“ durch. Im Unterschied zu den abgeschlossenen Lagern für Kriegsgefangene bot das System der Zwangsarbeit in vielen Fällen einen etwas leichteren Zugang für Geistliche zu den Unterbringungsorten. Nach Einschätzung des Historikers Michail W. Shkarovskij wurde „ein erheblicher Teil dieser Tätigkeit, insbesondere die Hilfe für Ostarbeiter und Kriegsgefangene, von vielen Laien und Geistlichen als oppositionell gegenüber dem Regime wahrgenommen“.[14] Im selben Jahr wurde die Diözese in einen mitteleuropäischen Metropolitankreis unter der Leitung von Metropolit Seraphim (Lade) von Berlin und Deutschland umgewandelt. Dieser umfasste die Gemeinden in Deutschland, Belgien, der Slowakei, Luxemburg sowie im Protektorat Böhmen und Mähren.

Direkte Beteiligung von Gemeindemitgliedern am antifaschistischen Widerstand sind mit den Namen Liane Berkowitzund Alexander Schmorell verbunden. Liane Berkowitz, Gemeindemitglied in der „eulogianischen“ St.-Wladimir-Kirche in Berlin, gehörte zur Gruppe um Rittmeister und zur Widerstandsorganisation „Rote Kapelle“. Bereits als Jugendliche war sie an illegaler Arbeit und der Verbreitung antinazistischer Flugblätter beteiligt; nach ihrer Verhaftung im März 1943 wurde sie wegen „Vorbereitung eines Staatsverbrechens“ verurteilt und hingerichtet.
Einer der Mitbegründer der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ war Alexander Schmorell, ein Gemeindemitglied der Münchner Gemeinde des heiligen Nikolaus. Im Verhör bezeichnete er sich offen als gläubiger Anhänger der Russischen Orthodoxen Kirche und begründete seinen Widerstand gegen das Regime mit christlichen Überzeugungen. In seiner Untergrundtätigkeit fand Schmorell Halt im Kreis russischer Emigrantenfreunde, deren Beteiligung er selbst unter Vernehmungsdruck nicht preisgab. Die Angehörigen des Häftlings hatten zuvor bereits bei den nationalsozialistischen Behörden um Begnadigung ersucht (die von Himmler abgelehnt wurde), doch der Gefangene selbst, der in seinem Widerstand gegen den Nationalsozialismus die Erfüllung seiner christlichen Pflicht sah, missbilligte diesen Schritt und lehnte diese Möglichkeit für sich ab. Er wählte den Weg des Martyriums.

Am Tag seiner Hinrichtung, dem 13. Juli 1943, wurde auf Initiative des Rechtsanwalts S. Deisinger in die Zelle zu dem Verurteilten sein Seelsorger – Archimandrit Alexander (Lovtschij), später Erzbischof von Berlin und Deutschland – zugelassen. Er nahm ihm die Beichte ab und spendete die Heilige Kommunion. Gewöhnlich wurde der Hinrichtungstag streng geheim gehalten, Mitteilung geschah an Außenstehende nur nach der Vollstreckung. Dies grenzt an ein Wunder. Die publizierte Annahme, der Seelsorger habe den Auftrag gehabt, vom Häftling Alexander ein Gnadengesuch zu erwirken, ist aus historischer Sicht nicht haltbar.
Die bewusste geistliche Entscheidung des jungen russisch-orthodoxen Christen Alexander Schmorell bildete die Grundlage für seine Kanonisierung, die 2012 durch die ROKA erfolgte.
Zur selben Zeit wurde im Protektorat Böhmen und Mähren der Prager Bischof Gorazd (Pavlik) wegen der Unterstützung zur Unterbringung von Beteiligten an der Ermordung von Reinhard Heydrich hingerichtet. Seit 1941 stand er unter der kirchlichen Fürsorge von Metropolit Seraphim. Systematische Repressionen gegen die Strukturen der Diözese blieben jedoch aus. Dies war der Position des Metropoliten Seraphim zu verdanken, dem es gelang, feindliche Maßnahmen nationalsozialistischer Behörden zu neutralisieren und den legalen Status der kirchlichen Diözese zu bewahren.
Die seelsorgerliche Tätigkeit eines Teils des Klerus erstreckte sich in dieser Zeit auch auf russische antibolschewistische Militärformationen, die unter deutschem Kommando operierten. Die Motive der Geistlichen für diesen Dienst waren unterschiedlich: Für einige handelte es sich in erster Linie um eine Form der seelsorgerlichen Betreuung von Landsleuten unter Kriegsbedingungen, für andere spielte die antibolschewistische Ausrichtung dieser Verbände eine nicht unwesentliche Rolle. Bereits von Zeitgenossen wurde dieser Dienst unterschiedlich bewertet – und er bleibt bis heute Gegenstand historischer Debatten.
Die deutsche Diözese in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Deutschland als Zentrum der russischen Emigration (1945–1950)
Die Nachkriegsaufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen veränderte die Lage des russischen kirchlichen Lebens im Land grundlegend. Der Verlust der Kathedralkirche in Berlin sowie der Gemeinden in der sowjetischen Besatzungszone führte zu einer territorialen Schrumpfung der Diözese und zur Verlegung ihres administrativen Zentrums nach München.
In den Jahren 1945 bis 1950 wurde Deutschland vorübergehend zum administrativen Zentrum der gesamten Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland: Der Bischofssynod wurde aus Jugoslawien dorthin evakuiert. 1946 verstärkte sich die Zusammensetzung der Diözese erheblich durch den Beitritt von Bischöfen und Geistlichen aus Weißrussland und der Ukraine in die ROKA; einige von ihnen übernahmen neu gebildete Vikariate. Zwei dieser Hierarchen standen später selbst an der Spitze der Diözese: Erzbischof Benedikt (Bobkovskij) in den Jahren 1950–1951 und Erzbischof Philotheos (Narko) in den Jahren 1971–1982.
In dieser Zeit wirkten in Deutschland zahlreiche bedeutende Geistliche, deren Namen in die Geschichte der gesamten Russischen Auslandskirche eingegangen sind: Archimandrit Averky (Taushev), Erzpriester Adrian Rymarenko, der Priester Seraphim Slobodskoy – Autor des klassischen Lehrbuchs „Gesetz Gottes“, – die Erzpriester Ioann Legkiy, Mitrofan Znosko-Borovsky und Alexander Kiselev, der Priester Georgij Benigsen, Archimandrit Dimitrij (Biakai), Archimandrit Vitalij (Ustinov) – späterer Ersthierarch der ROKA (1986–2001), Bischof Nathanael (Lwow) sowie Archimandrit Hiob (Leont'ev), der in München die erste monastische Gemeinschaft der Diözese gründete. Ihr Wirken ging weit über den Gemeinderahmen hinaus und umfasste geistliche Bildung, missionarische Arbeit und soziale Hilfe. Eine zentrale Aufgabe war neben dem Wiederaufbau zerstörter Kirchen die seelsorgerliche Betreuung der „Displaced Persons“. In den Flüchtlingslagern baute die Diözese ein Netzwerk von Gemeinden und Gymnasien auf, deren Status von den deutschen Behörden offiziell anerkannt wurde. Tausende Menschen wurden durch die Intervention des Klerus vor der zwangsweisen Rückführung in die Sowjetunion bewahrt.
Parallel zu dieser humanitären Mission leistete die Diözese umfangreiche Verwaltungsarbeit: Bis 1951 lief eine intensive Korrespondenz mit den Regierungen der Bundesländer zur Anerkennung des kirchlichen Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts, was für die Rechtsnachfolge und den Schutz kirchlichen Eigentums unter den neuen Bedingungen der Bundesrepublik Deutschland notwendig war.
Gegen Ende der 1940er Jahre begann die massive Abwanderung der Displaced Persons aus Deutschland. Die deutsche Diözese unterstützte diesen Prozess rechtlich und organisatorisch über spezielle Umsiedlungskomitees.
Geistliche Bildung und das „Deutsche Orthodoxe Christentum“ (1950er Jahre)
Die 1950er Jahre waren für die Diözese eine Zeit intensiver missionarischer und administrativer Tätigkeit – trotz des erheblichen Abflusses der Gläubigen in die Länder der „Neuen Welt“. Eine zentrale Rolle bei der Koordinierung des kirchlichen Lebens der europäischen Diözesen spielte in dieser Zeit der heilige Johannes (Maximowitsch), Erzbischof von Brüssel und Westeuropa. Unter seiner Leitung fanden in den 1950er Jahren Versammlungen der europäischen Bischöfe statt, auf denen ein breites Themenspektrum behandelt wurde: vom Mangel an Geistlichen bis hin zu kanonischen Fragen der Verehrung westlicher Heiligen, die vor dem Schisma von 1054 verherrlicht worden waren, sowie zur Diskussion über den westlichen Ritus. Der heilige Johannes sah im westlichen Ritus einen möglichen Weg, fremdsprachige Gläubige innerhalb der orthodoxen Kirche zu bewahren.[15]

Ein bemerkenswertes Phänomen dieser Zeit waren die Kongresse orthodoxer Deutscher, die regelmäßig im Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München stattfanden. Überlieferte Berichte zeugen von einem wachsenden Interesse der einheimischen Bevölkerung an der Orthodoxie.[16] Gottesdienste in deutscher Sprache, gefeiert von Priestern wie Ambrosius Backhaus und Johannes Goltz, begleitet von deutschen Chören, versammelten Gläubige aus ganz Deutschland. In diesen Jahren war das Kloster des heiligen Hiob nicht nur geistliches und verlegerisches Zentrum der Diözese, sondern auch ihr missionarisches Herzstück. Parallel dazu versuchte die Diözese, den akuten Personalmangel zu beheben. 1954 wurden in der Diözesanverwaltung in München Priesterkurse unter Leitung von Protopresbyter Wassilij Winogradow[17] eröffnet; im selben Gebäude arbeitete weiterhin das diözesane Gymnasium.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands lud regelmäßig orthodoxe Vertreter zu wissenschaftlichen Konferenzen ein. Zu den ständigen Teilnehmern gehörten Protopresbyter Wassili Winogradow, die Priester Ambrosius Backhaus und Anatolij Drewing sowie Professor I. P. Tschetwerikow.
Ein wichtiger Meilenstein war die offizielle Anerkennung der Bildungsarbeit der Diözese durch den bayerischen Staat im Jahr 1956. Das bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus legalisierte den Unterricht im „Gesetz Gottes“ für orthodoxe Kinder an öffentlichen Schulen durch russische Lehrer, deren Gehälter aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden.[18] Darüber hinaus erhielten russische Lehrer das Recht, an deutschen Schulen die russische Sprache auch für deutsche Schüler zu unterrichten. Das 1956 verankerte Recht auf Religionsunterricht in öffentlichen Schulen besitzt bis heute Bedeutung: Die Diözese stellt weiterhin die orthodoxe religiöse Bildung für Kinder ihrer Gemeinden im staatlichen Schulsystem Deutschlands sicher.

Im norddeutschen Vikariat entwickelte sich unter der Leitung von Erzbischof Philotheos (Narko) von Hamburg bis Mitte der 1950er Jahre eine ausdifferenzierte kirchliche Struktur. Zentren des Gemeindelebens wurden Hamburg mit den Kirchen des heiligen Prokopius von Ustjug und des heiligen Nikolaus. Erzbischof Philotheus legte dabei monatlich bis zu 2000 Kilometer zurück, um Gemeinden ohne feste Priester zu besuchen. Die jährlichen Versammlungen in Schleswig versammelten bis zu 350 Teilnehmer, und Jugendlager im Schwarzwald unter der Leitung von Priester Anatolij Drewing wurden zu einer echten Schule des orthodoxen Lebens für Kinder der Diaspora. All dies zeigte, dass die Diözese nach der Welle der Massenflucht und der anschließenden Abwanderung in die Überseegebiete nicht nur bestehen blieb, sondern ihren kirchlichen Dienst entfaltete.
Kirchenbau: architektonische Prägung der Diözese (1960er Jahre)
Die 1960er Jahre waren für die Diözese von einer intensiven Phase des Kirchenbaus geprägt. Im Jahr 1963 wurde im Münchner Stadtteil Ludwigsfeld nach einem Entwurf des Architekten Theodor Henzler eine steinerne Kirche zu Ehren des Erzengels Michael errichtet. In Frankfurt am Main wurde die Kirche des hl. Nikolaus des Wundertäters im Pskower Stil von dem ortsansässigen Architekten Wolf Drewermann entworfen; die Grundsteinlegung erfolgte 1965, die erste Liturgie wurde 1967 gefeiert. In Hamburg wurde die Kirche des hl. Prokopius von Ustjug zwischen 1961 und 1965 nach einem Entwurf der Architekten A.S. Nürenberg und A.N. Serow errichtet – ebenfalls im russisch-novgorodischen Stil, mit Innenausmalung durch Nikolai Baron von Meyendorff. Das Grundstück wurde von den städtischen Behörden zur Verfügung gestellt. Alle drei Kirchen wurden unter finanzieller Beteiligung der katholischen und evangelischen Kirchen sowie der städtischen und landespolitischen Behörden errichtet.

Seminar für orthodoxe Liturgik
Ein bedeutendes Feld des interchristlichen Dialogs wurde das „Seminar für orthodoxe Liturgik und Spiritualität“, das seit 1974 von der deutschen Diözese gemeinsam mit der russisch-orthodoxen Gemeinde in Frankfurt durchgeführt wurde. Das Seminar war als Plattform des interkonfessionellen Austauschs konzipiert und stand allen offen, die sich vertieft mit Theologie, Liturgik und der spirituellen Tradition der Orthodoxen Kirche vertraut machen wollten. Zu den ständigen Teilnehmern gehörten namhafte orthodoxe Theologen aus Deutschland und anderen Ländern, darunter die Protopresbyter Georgios Metallinos und Ambrosius Backhaus, die Professoren Ioannis Panagopoulos und Theodor Nikolaou sowie der spätere Bischof Mark (Arndt). Die Themen der Vorträge deckten ein breites theologisches Spektrum ab: von liturgischer Theologie und Ikonographie bis hin zur orthodoxen Anthropologie und Asketik. Ab 1986 begann das Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München, die Materialien der Seminare in der Reihe „Begegnung mit der Orthodoxie“ zu veröffentlichen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Gleichzeitig setzte sich die Seminararbeit fort, nun jedoch mit einer stärkeren innerorthodoxen Ausrichtung.
Historische Gegenwart: das Wirken von Metropolit Mark und die Festigung der Diözese an der Wende zur Jahrhundertwende
Geistliche Prägung des Erzhirten und Wiederbelebung der Münchner Klosteranlage
Der heutige Zustand der Deutschen Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland ist eng mit der Tätigkeit von Metropolit Mark (Arndt) verbunden. Den späteren Hierarchen prägte das Milieu der russischen Emigration in Westdeutschland. Nach einem geisteswissenschaftlichen Studium an den Universitäten Frankfurt am Main und Heidelberg, wo er sich auf Slawistik und altrussische Literatur spezialisierte, trat er 1964 zur Orthodoxie über und wurde Teil des Lebens der russischen Kirchengemeinde.
In den 1970er Jahren wurde seine geistliche Prägung maßgeblich durch die theologische Schule des hl. Justin (Popović) bestimmt, um den sich im Kloster Ćelije ein Kreis junger Theologen und zukünftiger Hierarchen der Serbischen Kirche bildete. 1975 empfing Mark Arndt die Mönchsweihe sowie die Priesterweihe innerhalb der Jurisdiktion der ROKA und begann anschließend seinen Dienst in Gemeinden Westdeutschlands. Einen wichtigen Abschnitt stellte sein Wirken an der Kirche der heiligen Elisabeth in Wiesbaden dar, wo sich um ihn eine kleine monastische Gemeinschaft formierte, die nach athonitischer Regel lebte.
Ende 1980 wurde er zum Bischof mit dem Titel von München und Süddeutschland geweiht und zog in das Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München ein. 1982 übernahm er nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Erzbischof Philotheos (Narko) die Leitung der Diözese von Berlin und Deutschland. In den 1970er Jahren befand sich die Klosteranlage in einem tiefen Niedergang. Nach den Erinnerungen des Ersthierarchen der ROKA, Metropolit Hilarion (Kapral), der das Kloster 1971 als Seminarist besuchte, hinterließ der Zustand der seit 1946 stauropegialen und vom materiellen Unterhalt des Synods abhängigen Anlage einen „äußerst ärmlichen Eindruck“.[19]
Die Situation änderte sich, als das Kloster ab 1981 der Deutschen Diözese unterstellt wurde und der 1980 mit seiner Bruderschaft eingetroffene Bischof Mark das klösterliche Leben strikt nach athonitischem Vorbild ordnete. Im Laufe des folgenden Jahrzehnts wurden Kirche und Klostergebäude vollständig restauriert und erhielten ein traditionell russisches Erscheinungsbild mit Kuppeltürmen und Glockenspiel.
Ein wichtiger Schritt war die Wiederbelebung der klösterlichen Druckerei, deren Betrieb 1977 eingestellt worden war. Sie wurde mit modernen Maschinen ausgestattet, zudem richtete man im Sockelgeschoss eine Werkstatt zum Gießen von Kerzen ein. Diese Initiativen sicherten nicht nur die Versorgung der Diözesangemeinden mit liturgischem Bedarf, sondern schufen auch eine stabile wirtschaftliche Grundlage für das Kloster und die diözesanen Strukturen.
„Briefe aus Russland“: Bildungsdialog und praktische Hilfe (1990er Jahre)
Gegen Ende der 1980er Jahre blieb die Lage der Diözese weiterhin schwierig: Einige Gemeinden schrumpften, andere standen vor der Schließung. Doch mit den politischen Umbrüchen in Osteuropa und dem Zerfall der Sowjetunion kam es zu tiefgreifenden Veränderungen. Die Öffnung der Grenzen im Jahr 1990 führte zu einem deutlichen Zuzug russischsprachiger Emigranten nach Deutschland. Dieser demographische Faktor bewirkte ein Wachstum der Gemeinden und eine spürbare Belebung des kirchlichen Lebens in der Diözese. Der interne Konsolidierungsprozess der Diözese durch neue Kräfte war eng mit ihrer äußeren Tätigkeit verflochten.

Während bereits in früheren Jahren auf verschiedenen Wegen religiöse und apologetische Literatur in die Sowjetunion gesandt und gewisse Kontakte zum orthodoxen Leben in Russland gepflegt worden waren, eröffnete der Zerfall der Sowjetunion nun nicht nur neue Migrationsbewegungen nach Deutschland, sondern auch direkte Kommunikationskanäle zu den Gläubigen in der ehemaligen Heimat. Die kirchliche Korrespondenz der frühen 1990er Jahre dokumentiert ein in der Geschichte der Diözese bislang beispielloses Phänomen: Aus dem gesamten postsowjetischen Raum gingen in großer Zahl Briefe ein. Dieser unmittelbare, bildungs- und seelsorglich geprägte Dialog verlieh der Tätigkeit der Diözese eine neue Dimension. Die außergewöhnliche Schnelligkeit der Antworten – oft noch am selben Tag – sowie die Bereitschaft, nicht nur geistliche Literatur und liturgische Bücher, sondern auch praktische Hilfsmittel, medizinische Geräte oder finanzielle Unterstützung zu vermitteln, machten die Deutsche Diözese zu einer wichtigen Stütze für die wiederentstehenden Gemeinden in Russland. Der Versand von Exemplaren der Diözeszeitschrift „Der Bote“ [russ. „Vestnik“], von Kalendern und Büchern schuf lebendige Verbindungen zwischen der Diözese und den Gemeinden in Russland sowie in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Die heutige Rolle der Diözese als Bindeglied zwischen den Traditionen der Auslandskirche und dem kirchlichen Leben im postsowjetischen Raum erwuchs wesentlich aus dieser Briefkorrespondenz – in der jede Antwort, von Wladiwostok bis Simferopol oder Narva, ein konkreter Schritt der Hinwendung war.
Das Münchner Fernseminar (1991–1995)
Zu Beginn der 1990er Jahre, im Zusammenhang mit der aktiven Gründung von Gemeinden der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland auf dem Territorium Russlands, wurde beim Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München ein Fernseminar der ROKA eingerichtet. Als Reaktion auf die Bitten aus Kreisen der gläubigen Jugend in Russland, initiireten der Erzbischof von Berlin und Deutschland, Mark, sowie seine engsten Mitarbeiter, insbesondere der Diözesansekretär, Priester Nikolai Artemoff dieses Projekt mit dem Segen des Synods. Das Seminar bestand von 1991 bis 1995 und verband Präsenzphasen in München mit einem Fernstudium in Russland. Das Ausbildungsprogramm orientierte sich am Vorbild des Holy Trinity Theological Seminary in Jordanville und umfasste theologische, kirchengeschichtliche, liturgische und sprachliche Fächer sowie andere Lehrmaterialien.
Das Projekt erwies sich als sehr gefragt: Bereits in den ersten Studienjahrgängen nahmen über 150 Hörer aus verschiedenen Regionen Russlands und der GUS-Staaten am Unterricht teil. Nach Einschätzung eines Forschers lässt sich die Tätigkeit des Seminars in seinen Anfangsjahren als „ein erfolgreiches missionarisches Projekt des Bischofssynods der ROKA in Russland bewerten, das zur Vermehrung der Gemeinden dieser Jurisdiktion beitrug“.[20]
Gespräche zwischen den deutschen Diözesen der ROKA und des Moskauer Patriarchats (1993–1997)
In denselben 1990er Jahren erwarb die Diözese das Gebäude einer ehemaligen amerikanischen Militärkirche in München, das nach umfassendem Umbau zur Kathedrale der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands umgestaltet wurde. Darüber hinaus wurden in der Folgezeit schrittweise weitere kirchliche Liegenschaften erworben, darunter ein Gebäudekomplex mit Kirche in Köln; neue Kirchengebäude entstanden in Augsburg, Berlin, Bielefeld, Hannover, Cloppenburg, Münster und Saarbrücken...
Parallel dazu entwickelte sich in Deutschland eine besondere Form der Zusammenarbeit zwischen dem Klerus der ROKA und Vertretern der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchats. Eine wichtige Etappe bildeten die Gespräche der Jahre 1993–1997 zwischen den Vertretern beider deutschen Diözesen – insgesamt neun Treffen, die in kleineren Städten des wiedervereinigten Deutschlands stattfanden.
Initiatoren und kontinuierliche Teilnehmer dieser Begegnungen waren beide Diözesanbischöfe selbst – Erzbischof Mark und Erzbischof Feofan (Galinski) – was diesen Dialog grundlegend von früheren informellen Kontakten einzelner Geistlicher unterschied. Charakteristisch war, dass die Treffen bewusst als „Gespräche“ und nicht als „Verhandlungen“ bezeichnet wurden: Die Beteiligten gingen von einer Ekklesiologie der einen Russischen Kirche aus, in der administrative Trennung nicht mit einer Aufspaltung des kirchlichen Leibes gleichgesetzt wurde. Die Tagesordnung entwickelte sich schrittweise. Ausgehend von praktischen Fragen der Sakramenten- und Gottesdienstpraxis wandten sich die Teilnehmer kanonischem Recht, Ekklesiologie, dem Verhältnis zum Ökumenismus und schließlich auch heiklen historischen Themen zu – der Problematik des sogenannten „Sergianismus“ („Loyalitätserklärung“ von 1927) sowie dem Schicksal der Neumärtyrer. Nach dem siebten Gespräch wurde ein gemeinsames Dokument erstellt, in dem festgehalten wurde:
„Gegenwärtig sind keine unüberwindbaren Hindernisse für die Wiederherstellung der vollen kanonischen und eucharistischen Gemeinschaft zwischen uns erkennbar.“[21]
Die Gespräche erhielten zwar keinen offiziellen kirchlichen Status, bildeten jedoch eine wichtige Grundlage für den späteren offiziellen Dialog auf höchster Ebene, der schließlich im „Akt der kanonischen Gemeinschaft“ vom 17. Mai 2007 seinen Abschluss fand.
Weg zur Einheit und heutige Zusammenarbeit der Diözesen
Den entscheidenden Impuls für diesen Prozess gab der künftige Ersthierarch der ROKA, der damalige Erzbischof Lavr (Shkurla); er legte dem Bischofskonzil im Oktober 2000 aufgrund des dortigen Vortrags nahe, zu einer gemeinsamen historischen Reflexion über den Weg der Russischen Kirche überzugehen, worauf eine entsprechende Resolution erstellt wurde. Als praktische Umsetzung dieses Vorschlags diente die Konferenz „Die Geschichte der Russischen Orthodoxen Kirche im 20. Jahrhundert“, die vom 13. bis 16. November 2001 in Szentendre (Ungarn) stattfand.[22] Organisator und Moderator dieser Tagung war Erzpriester Nikolai Artemoff. Die Veranstaltung stellte einen historischen Präzedenzfall dar: Erstmals seit Jahrzehnten der Trennung kamen Historiker und Theologen des Moskauer Patriarchats und der Auslandskirche zusammen, um die gemeinsame Vergangenheit gemeinsam zu reflektieren und wissenschaftlich zu bearbeiten.
Im selben Oktober 2000 wurde Erzbischof Mark zum Vorsitzenden der Kommission für die Fragen der Einheit der Russischen Kirche ernannt, im Dezember 2003 übernahm er zusätzlich den Vorsitz der Kommission für die Verhandlungen mit dem Moskauer Patriarchat und leitete den gesamten Verhandlungsprozess bis zu dessen Abschluss. Hinter diesen Ernennungen stand eine lange persönliche Erfahrung: Bereits seit 1993 führte Metropolit Mark direkte Gespräche mit Vertretern der Deutschen Diözese des Moskauer Patriarchats. Die in diesen Begegnungen entstandene Vertrauensbasis war ein wesentlicher Faktor für die Möglichkeit des späteren offiziellen Dialogs. Die Unterzeichnung des „Aktes der kanonischen Gemeinschaft“ am 17. Mai 2007 war in erheblichem Maße das Ergebnis seiner kontinuierlichen theologischen, diplomatischen und persönlichen Bemühungen.

Als sichtbares Resultat der Wiederherstellung der kanonischen Gemeinschaft finden in Deutschland regelmäßig gemeinsame Pastoralkonferenzen des Klerus beider Diözesen statt. Diese Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch, der Erörterung aktueller pastoraler und administrativer Fragen sowie der Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Diözesen. Die Sitzungen umfassen Vorträge von Geistlichen beider Jurisdiktionen, Diskussionen praktischer Aspekte des kirchlichen Lebens sowie die gemeinsame Teilnahme der Bischöfe an Gottesdiensten. Dadurch wird die Koordination der seelsorgerlichen Betreuung verbessert und die Entwicklung eines einheitlicheren kirchlichen Raums für orthodoxe Gläubige in Deutschland gefördert.
Die Münchner "Winterseminare": Plattform für Dialog und Bildung
Parallel zu den gesamtkirchlichen Entwicklungen haben sich in der Deutschen Diözese unterschiedliche Formen pastoraler, bildender und theologischer Arbeit entfaltet. Eine besondere Rolle spielen dabei die jährlichen offenen orthodoxen Seminare („Orthodoxe Treffen“), die seit den frühen 1980er Jahren im Kloster stattfanden und später in der Münchner Kathedrale, welche Geistliche und Laien aus verschiedenen Gemeinden Deutschlands zusammenführen. Diese Seminare dienen als Plattform für theologische Vorträge, pastorale Diskussionen und den Austausch praktischer Erfahrungen des kirchlichen Lebens. Das Programm verbindet wissenschaftliche Beiträge und Gespräche mit dem gemeinsamen liturgischen Leben der Teilnehmer: Abendgottesdiente und die Göttliche Liturgie.
So war etwa das 41. Seminar, das im Dezember 2023 stattfand, dem Thema der geistlichen Bildung gewidmet und versammelte über hundert Teilnehmer.[23] In Vorträgen und Diskussionen wurden Fragen der aktiven Teilnahme am liturgischen Leben, des Unterrichts im orthodoxen Religionsunterricht an deutschen Schulen, der Rolle der Beichte im geistlichen Leben sowie der Wallfahrt als Mittel religiöser Erziehung behandelt. Die Verbindung von liturgischer Praxis und theologischer Reflexion macht die Münchner Seminare zu einem beständigen Element der Bildungs- und Missionsarbeit der Diözese.
Jugendarbeit: Kontinuität und neue Organisationsformen
Die Jugendarbeit stellt einen wichtigen Schwerpunkt der heutigen Tätigkeit der Deutschen Diözese dar. Ihre Entwicklung ist über viele Jahre hinweg eng mit den Bemühungen von Erzpriester Ilya Limberger verbunden, der selbst aus den Jugendseminaren der 1980er Jahre hervorging, zu den Begründern der systematischen diözesanen Jugendarbeit zählt und deren grundlegende Organisationsformen geprägt hat. In den letzten Jahren nimmt zudem Priester Alexej Lemmer eine aktive Rolle in der Koordination dieser Arbeit ein.
Die Jugend der Diözese besteht in erheblichem Maße aus Kindern von Migranten, die nach Beginn der 1990er Jahre nach Deutschland kamen. Ein großer Teil von ihnen ist bereits in Deutschland geboren und bewegt sich in einem zweisprachigen und bikulturellen Umfeld. Ein wichtiges Instrument der diözesanen Vernetzung sind regelmäßige Jugendtreffen, die mehrmals im Jahr in verschiedenen Städten stattfinden. Hinzu kommen Pilgerfahrten und Gedenkveranstaltungen, unter denen ein jährlicher Jugendmarsch vom Kloster des heiligen Hiob von Počaev in München zum ehemaligen KZ-Dachau eine besondere Bedeutung hat. Darüber hinaus spielt die Tätigkeit der gesamtdeutschen Vereinigung „Russisch-Orthodoxe Jugend Deutschlands“ (ROJ Deutschland e.V.)[24], gegründet 2022, eine wichtige Rolle. Ziel dieser Organisation ist die Koordination jugendlicher Initiativen aus verschiedenen Gemeinden und Jurisdiktionen der russisch-orthodoxen Tradition in Deutschland. Sie fördert den Erfahrungsaustausch, die gemeinsame Planung von Veranstaltungen und stärkt die Verbindung zwischen jungen Gemeindemitgliedern im ganzen Land.

Diözesanverwaltung und heutiges soziales Engagement
In der Leitung der Diözese wird Metropolit Mark (Arndt) durch den Weihbischof von Stuttgart, Bischof Hiob (Bandmann), unterstützt. Bischof Hiob, ebenfalls gebürtiger Deutscher, wurde am 10. Dezember 2021 zum Bischof geweiht. Er trat die Nachfolge von Erzbischof Agapit (Gorachek, 1955–2020) an, der seine monastische Prägung bereits an der St.-Elisabeth-Kirche in Wiesbaden unter der Leitung von Archimandrit Mark (Arndt) erhielt. Im Jahr2001 wurde er zum Bischof von Stuttgart geweiht und setzte sich konsequent für die Wiedervereinigung der ROKA mit dem Moskauer Patriarchat sowie für den Ausbau der Beziehungen zu Russland ein.
Die diözesane Struktur umfasst heute 71 Gemeinden, die über ganz Deutschland verteilt sind; der Dienst wird von 77 Priestern und 39 Diakonen getragen. Die Deutsche Diözese ist zudem aktiv im sozialen Dienst engagiert, jetzt in der Unterstützung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Geistliche und Gläubige beider russisch-orthodoxen Jurisdiktionen in Deutschland (Moskauer Patriarchat und ROKA) arbeiten dabei mit staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Sie leisten humanitäre und psychologische Hilfe, unterstützen bei Unterbringung, Dokumentenangelegenheiten und Übersetzungen und organisieren Sammelaktionen sowie die Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln. Diese Initiativen zeigen die praktische Umsetzung des diözesanen Auftrags sowie der christlichen Nächstenliebe im heutigen kirchlichen Leben in Deutschland.
Klöster der Diözese: Zentren geistlicher Bildung und Kontinuität
Das geistliche Zentrum der Diözese ist seit Jahrzehnten das Männerkloster des heiligen Hiob von Počaev in München. Heute leben hier elf Brüder, deren Tagesordnung eine Verbindung aus ausgedehntem, nach der Klosterregel geordnetem Gottesdienst und Zeiten körperlicher Arbeit bildet. Der Gebetszyklus beginnt um 4 Uhr morgens mit dem Mitternachts- und Morgenamt und der Göttlichen Liturgie. Anschließend widmet sich die Brüderschaft ihren Arbeiten, die durch eine „Stille Stunde“ unterbrochen werden. Das Abendessen liegt zwischen den abendlichen Gottesdiensten, die gegen 20 Uhr mit der Komplet und einer Zeit völligen Schweigens enden.
Eine besondere Rolle im Leben des Klosters spielt die Bildungs- und Produktionsarbeit. Im Kloster ist eine Druckerei tätig, in der geistliche Literatur in russischer und deutscher Sprache vorbereitet und veröffentlicht wird, ebenso wie die Herausgabe der Zeitschrift „Der Bote“. Diese Tätigkeit der Übersetzung und Redaktion theologischer Texte wird durch praktische Aufgaben in der Kerzenwerkstatt ergänzt, die den Bedarf der gesamten Diözese deckt. Trotz seiner strengen äußeren Struktur ist das Kloster für Pilger geöffnet und wird für viele Besucher zu einem Ort innerer Erneuerung. Seit 1982 dient es als Hauptresidenz des Diözesanbischofs und als Ort der praktischen Ausbildung des Klerus: Nach der Tradition verbringen neugeweihte Geistliche hier eine Praxiszeit (idealerweise vierzig Tage), um sich vor Beginn ihres Pfarrdienstes in das liturgische Leben einzuüben.
Das zweite geistliche Zentrum der Diözese in der Umgebung Münchens ist das Frauenkloster der heiligen Großfürstin und Märtyrerin Elisabeth, das 2005 in Buchendorf bei München gegründet wurde. Die Gemeinschaft ist in Räumlichkeiten untergebracht, die von einem katholischen Orden übergeben wurden. In der Hauskirche wird täglich der vollständige Gottesdienstkreis gefeiert. Unter der Leitung von Äbtissin Maria (Sidiropoulou) leben hier zehn Schwestern, die das Gebetsleben mit verschiedenen Arbeiten verbinden. Im Kloster bestehen eine Schneiderei, eine Goldstickerei sowie eine Buchbindewerkstatt; außerdem wird orthodoxe Literatur ins Deutsche übersetzt. Ein wichtiges Projekt ist das jährliche Sommerlager für Mädchen, das zu den bedeutenden Bildungsinitiativen des Klosters zählt und jungen Menschen den Zugang zum geistlichen Leben der Kirche eröffnet. Das Leben der Schwestern ist durch die untrennbare Einheit von Gebet und Arbeit geprägt; die Teilnahme an allen Gottesdiensten ist dabei verpflichtend, sowohl für die Schwestern selbst als auch für zeitweilige Besucherinnen, die das klösterliche Leben miterleben möchten.
Das Männer- und das Frauenkloster tragen gemeinsam das geistliche Leben der Diözese, dienen als Zentren der Bildung, der Ausbildung des Klerus und der missionarischen Arbeit und sichern so die Kontinuität der monastischen Tradition der ROKA in Deutschland.
„Seyfriedsberg“: Neues geistliches und administratives Zentrum
Eines der größten Projekte der Deutschen Diözese in den letzten Jahren war der Erwerb und die geplante Umgestaltung von Schloss Seyfriedsberg bei Augsburg. Die Initiative steht im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Verlegung des Klosters des heiligen Hiob von Počaev. Mit der Zeit machten die begrenzte Fläche des angemieteten Geländes, die dichte städtische Bebauung und die Unmöglichkeit einer weiteren Erweiterung der Anlage die Suche nach einem neuen Standort dringend erforderlich. Nach jahrelanger Suche wurde 2019 das Schlossensemble Seyfriedsberg ausgewählt – ein historisches Anwesen auf einem Hügel in waldreicher Umgebung, die in der regionalen Tradition aufgrund der nahegelegenen katholischen Wallfahrtskirche Maria Vesperbild als „Heiliger Berg“ bekannt ist. Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins Mittelalter zurück: Eine Befestigungsanlage auf dem Hügel wird erstmals 1251 erwähnt, und im 16. Jahrhundert entstand hier ein Jagdschloss. Im 19. Jahrhundert wurde das Ensemble umgebaut und durch Wirtschaftsgebäude sowie einen Landschaftspark ergänzt.

Heute ist geplant, hier ein klösterliches Zentrum zu errichten, in das der strenge athonitische Rhythmus des klösterlichen Lebens übertragen werden soll. Zugleich wird die Anlage die Funktionen eines Diözesanzentrums übernehmen: Vorgesehen sind die Unterbringung eines geistlichen Seminars, die Durchführung theologischer Konferenzen und wissenschaftlicher Tagungen, Diözesanversammlungen sowie Jugend- und Kirchenmusiktreffen. Darüber hinaus soll eine ständige historische Ausstellung zur Geschichte der Deutschen Diözese eingerichtet werden. Zur Infrastruktur des Projekts sollen außerdem ein Verlag, eine Kerzenmanufaktur und kirchliche Werkstätten gehören. Die Entstehung dieses multifunktionalen geistlich-kulturellen Komplexes stellt das größte Bau- und Restaurierungsvorhaben in der gesamten hundertjährigen Geschichte der Diözese dar.
Schlusswort
In hundert Jahren hat die Deutsche Diözese einen Weg zurückgelegt, der von der Botschaftskirche Unter den Linden bis zu den Klöstern in München führte, von einem angemieteten Gymnastiksaal in der Nachodstraße in Berlin bis hin zum entstehenden geistlichen Zentrum in Seyfriedsberg. Die Revolution in Russland zerstörte die staatliche Grundlage, auf der das russische kirchliche Leben in Deutschland ruhte; der Vertrag von Rapallo nahm der Gemeinde die Möglichkeit, Gottesdienste in der Botschaftskirche in Berlin zu feiern; die Weltwirtschaftskrise verschlang die gerade erst geweihte erste Kathedrale; die zweite, die den Krieg überstanden hatte, ging 1945 an das Moskauer Patriarchat über.
In den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur besuchten Geistliche der Deutschen Diözese heimlich Kriegsgefangenenlager und Lager für Ostarbeiter, wobei sie Verhöre durch die Gestapo riskierten, und sie blieben während der verheerenden Bombardierungen deutscher Städte am Altar. In den Nachkriegsbaracken von Schleißheim, Füssen und Fischbek fanden Tausende Displaced Persons ihre kirchliche Gemeinschaft früher denn ein Dach über dem Kopf. Hinter all dem stehen konkrete Menschen: Archimandrit Tichon, der mit Hilfe russischer Jugendlicher Ikonen aus der Botschaftskirche rettete; Alexander Schmorell und Liane Berkowitz, die den Tod annahmen, ohne ihrem Glauben und ihren Überzeugungen abzuschwören; Priester Dionisij Iljin, der Mauthausen und Dachau überlebte und nach der Befreiung seinen Dienst fortsetzte; der Mitarbeiter des hl. Patriarchen Tichon und Protopresbyter Wassili Winogradow, der in seinen letzten Jahren erblindet Gottesdienste auswendig zelebrierte. Unter den Geistlichen und Laien der Diözese gab es auch Menschen, deren Haltung in der NS-Zeit nicht so eindeutig zu bewerten ist und noch einer eigenen und ehrlichen Aufarbeitung bedarf.
Zu ihrem hundertjährigen Bestehen tritt die Deutsche Diözese an den Ausgangspunkt einer neuen Etappe. Die Geschichte, die dieser Überblick nur skizzenhaft nachzeichnen konnte, wartet auf weitere Erforschung — in Archiven, in wissenschaftlichen Publikationen und im lebendigen Gedächtnis jener Menschen, für die diese Geschichte nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart ist.
[1] Vitalij Zherdev, Die russische Kirche in Berlin: das verlorene Werk von N. Wassiljew // Vestnik PSTGU. Reihe V: Fragen der Geschichte und Theorie der christlichen Kunst. — 2017. — Heft 25. — S. 82.[russ.]
[2] Thon, Nikolai, Hypodiakon. Protopresbyter Alexy Maltsev – Theologe, Kirchenhistoriker, Übersetzer, Missionar. Zum 100. Todestag. Vortrag auf der gemeinsamen pastoralen Konferenz der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und der Berliner Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (15.–17. Dezember 2015). Zugänglich unter: rokmp.de PDF (Zugriffsdatum: 22.02.2026).
[3] Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF). Bestand 3696, Findbuch 1, Akte 25, Blatt 86 Rückseite. [russ.]
[4] Andrej Kostrjukov, Welche Befugnisse erhielt Erzbischof Evlogij (Georgievskij) im Oktober 1920? // XIX. Jährliche theologische Konferenz der St. Tichon Universität – Bd. 1. – S. 270–273.[russ.]
[5] Bovkalo, A. A. „Veniamin (Kasanskij, Wassili Pawlowitsch)“. In: Pravoslavnaja enciklopedija [Orthodoxe Enzyklopädie]. Moskau 2004, Bd. VII, S. 617–623.
[6] Nikolai Artemoff, Russische Emigration in Deutschland — der kirchliche Aspekt, in: Orthodoxie in Deutschland, hrsg. von Thomas Bremer, Asaad Elias Kattan und Reinhard Thöle, Münster 2016, S. 22–23.
[7] Talberg, N. D. „Erzbischof Tichon (Ljaschtschenko)“. In: Pravoslavnyj put’. Kirchlich-theologisch-philosophisches Jahrbuch. Beilage zur Zeitschrift „Pravoslavnaja Rus’“ für 1965. Jordanville 1965, S. 89. [russ.]
[8] Vitalij Zherdev, Die russische Kirche in Berlin, a.a.O. S. 85.
[9] „Bestimmung des Bischofssynods der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland vom 11./24. April 1924“. In: Cerkovnye Vedomosti, herausgegeben beim Bischofssynod der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, Sremski Karlovci, 1924, Nr. 9–10 (1 (14) – 15 (28) Mai), S. 2. [russ.]
[10] Sendschreiben des Vorsitzenden des Bischofskonzils und des Bischofssynods der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland vom 10./23. Juli 1926, in: Cerkovnye Vedomosti, herausgegeben beim Bischofssynod der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, Sremski Karlovci, 1926, Nr. 13–14, S. 4. [russ.]
[11] Brief des Metropoliten Evlogij an Metropolit Antonij vom 20. Juli / 2. August 1926 betreffend die Ausgliederung Deutschlands als eigene Diözese // Beilagen zum amtlichen Teil der Zeitschrift „Kirchliche Nachrichten“, herausgegeben beim Bischöflichen Synod der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland. — Sremski Karlovci, 1926. — Nr. 15 und 16. — S. 6.
[12] Im nachfolgenden Briewechsel wies Metr. Antonij als Vorsitzender der Auslandssynode auf entsprechende Präzedenzfälle der Herauslösung eines Vikariats und dessen Umwandlung zu einer Diözese ohne Zustimmung und gegen den Willen des regierenden Bischofs in Russland hin, und später auch durch die auslandsrussische Oberste Kirchenverwaltung. Diese Maßnahmen fanden die Zustimmung der Moskauer Kirchenleitung, oder auch das spätere Einverständnis des Patriarchen Tichon, der diese Maßnahmen als kanonisch akzeptierte. Beispiele s. Briefe des Seligsten Metropoliten Antonij (Chrapovitskij), Jordanville 1988, [russ.] Brief Nr. 33, S. 174f. - Red.
[13] Koltschizki, N. F., Protopresbyter. Orthodoxe russische Gemeinden in Deutschland // Journal des Moskauer Patriarchats. — 1945. — Nr. 12 (Dezember). — S. 4. [russ.]
[14] Shkarovskij, Michail W. Nationalsozialistisches Deutschland und die Orthodoxe Kirche, Moskau 2002, S. 276. [russ.] In Deutsch: Die Kirchenpolitik des Dritten Reiches gegenüber den orthodoxen Kirchen in Osteuropa (1939-1945), Forum Orthodoxe Theologie, 2004.
[15] Kornilow, A. A. Die Konferenzen der europäischen Hierarchen der ROKA in den Jahren 1952 und 1954 unter dem Vorsitz von Erzbischof Johannes (Maximowitsch) // Vestnik PSTGU. Reihe II: Geschichte. Geschichte der Russischen Orthodoxen Kirche. — 2025. — Heft 122. — S. 160. [russ.]
[16] Archiv der Deutschen Diözese der ROKA, F. 7, K. „Diözesankorrespondenz, 1952–1958“.
[17] Protopresbyter W. Winogradow (1885-1968) war eine herausragende kirchliche Persönlichkeit. Vorsitzender des Moskauer Diözesanrates und im Obersten Kirchenrat beim Patriarchen Tichon tätig, führte schwierige Verhandlungen mit Vertretern der Sowjetmacht auf höchster Ebene. Seine Erinnerungen „Über einige wichtigste Momente der letzten Periode im Leben und Wirken des Heiligsten Patriarchen Tichon 1923-1925“ [russ.], München 1959, zeichnen ein lebendiges Bild der damaligen Situation. Mit dem Patriarchen 1922 verhaftet. Später mehrere Verhaftungen. GULag und Verbannung. Während des Krieges Aufenthalt in den Westgebieten. Evakuierung und Anschluss an die Russischen Auslandskirche in Deutschland. Verstarb in München-Ludwigsfeld. https://www.pravenc.ru/text/158700.html - Red.
[18] Bericht des Erzbischofs von Berlin und Deutschland Alexander (Lovtschij) an den Vorsitzenden des Bischofssynods der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, Metropolit Anastasij (Gribanovskij), vom 9./22. Januar 1957 // Archiv des Holy Trinity Orthodox Seminary (Jordanville, NY). — Temporäre Box 24. — Mappe 1. [russ.]
[19] Metropolit Hilarion: „Die geistliche Einheit unserer Kirche besteht bereits, die strukturelle Vereinigung ist eine Frage der Zeit“: [Interview des Ersthierarchen der ROKA mit dem Korrespondenten A. Cholodjuk] // Sedmiza.ru: Portal. — 2010. — 5. Juli. — URL: https://www.sedmitza.ru/text/1295612.html (Zugriffsdatum: 14.03.2026). [russ.]
[20] Makovetskij, A. V., Priester. Das Fernseminar der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland und seine Rolle bei der Gründung von Gemeinden der ROKA auf dem kanonischen Territorium des Moskauer Patriarchats (1990–1995) // Werke des Geistlichen Seminars in Wladimir. — 2018. — Nr. 2. — S. 51.[russ.]
[21] Artemoff, N., Gespräche der Vertreter des Klerus der beiden deutschen Diözesen (Moskauer Patriarchat und ROKA) in den Jahren 1993–1997 als Beginn der Wiederherstellung der Einheit der Russischen Kirche // XVIII. Jährliche Theologische Konferenz der PSTGU: Materialien. — Moskau: Verlag der PSTGU, 2008. — Bd. I. — S. 314. [russ.]
[22] Sammelband: Geschichte der Russischen Orthodoxen Kirche im 20. Jahrhundert (1917-1933): Materialien der Konferenz in Szentendre (Ungarn) 13.-16. November 2001. München 2002. [russ.]
[23] Geistige Bildung in jeder Hinsicht: Das 41. Orthodoxe Treffen in München; URL: https://www.derbote.online/post/41-orthodoxes-treffen-in-m%C3%BCnchen (Zugriffsdatum: 02.03.2026).
[24] Russische Orthodoxe Jugend in Deutschland e.V. (ROJ DE): [Offizielle Website]. — URL: https://www.roj-deutschland.de (Zugriffsdatum: 15.03.2026).





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