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Heiliges Land - Berührungen mit der Ewigkeit!

Ich freute mich über die, die mir sagten: „Lasset uns ziehen zum Hause des Herrn!“

(Psalm 122:1)

Autor: Vera Bulgakova

Tag eins – 25. Mai 2025

Schon früh am Morgen des 25. Mai herrschte am Flughafen München eine ungewöhnliche Betriebsamkeit. Pilger aus verschiedenen Städten Deutschlands – insgesamt 54 Personen – hatten sich mit einem Herzen und einer Seele versammelt, bereit, sich auf eine heilige Reise zu begeben. Die Fahrt wurde angeführt von Metropolit Mark von Berlin und Deutschland – einem Erzhirten, dessen Name für viele zum Symbol geistiger Standhaftigkeit und Liebe zum Heiligen Land geworden ist.

Unter den Klerikern befanden sich Erzpriester Pjotr Sturm, Priester Alexander Popov, Diakone Artemij Klimaschewski und Alexander Lepichin sowie der Gehilfe Vitalij Kusjajew aus dem Kloster des heiligen Ijob von Počajiv in München. Nachdem wir den Segen von Vladyka Mark erhalten hatten, passierten wir die Kontrolle, gaben unser Gepäck auf – und schon nahm uns die Kabine der El-Al-Maschine in ihre Wände auf, um uns in den Himmel zu tragen, den Heiligtümern entgegen.

Wenige Stunden später betraten wir das Land Israel. Gleich am Ausgang des Flughafens wurden wir mit einem warmen Lächeln und offenen Armen von Mutter Susanna empfangen – einer Nonne des Klosters der heiligen gleichapostolischen Maria Magdalena in Gethsemane, unserer langjährigen und von allen geliebten Begleiterin im Heiligen Land. Gütig, aufmerksam und geduldig – sie begleitete unsere orthodoxen Gruppen nicht zum ersten Mal, und ihre Anwesenheit erfüllte unseren Weg sogleich mit Ruhe und Freude.

Tel Aviv empfing uns mit heißer, fast erstickend trockener Luft. Wir nahmen im Bus Platz und machten uns auf den Weg nach Jerusalem – der Stadt des Großen Königs.

Unterwegs hielten wir in Lydda, der heutigen israelischen Stadt Lod. Genau hier, so berichtet die Überlieferung, wurde der heilige Großmärtyrer Georg der Siegreiche gemartert und begraben. Die ihm geweihte Kirche erhebt sich im Stadtzentrum und bewahrt sorgsam eine Reliquie – ein Partikel seiner Gebeine. Vor dem Reliquienschrein erhoben wir unsere Gebete – jeder mit seiner eigenen Bitte, seinem eigenen Geheimnis. Im rechten Seitenschiff der Kirche hängen alte Fesseln. Mit eben solchen Ketten soll der heilige Großmärtyrer Georg vor seinem Märtyrertod gefesselt gewesen sein – heute sind sie ein bleibendes Zeugnis für Standhaftigkeit im Glauben und unerschütterliche Treue zu Christus.

Nach unserer Ankunft in Jerusalem bezogen wir – wie schon viele Jahre zuvor – das uns Pilgern vertraute Mount of Olives Hotel, das am Ölberg liegt – genau an jenem Ort, von dem aus der Herr laut Evangelium in den Himmel aufgefahren ist.

Im Hotel begrüßte uns der Leiter der Russischen Geistlichen Mission in Jerusalem, Archimandrit Roman (Krasowski) – ein Mensch von großer Güte und Gnade. Nach dem Mittagessen begleitete er uns gemeinsam mit Mutter Susanna in das Spaso-Himmelfahrtskloster auf dem Ölberg.

Hinter den Mauern des Klosters pulsierte das Leben, doch im Inneren herrschte Stille, nur unterbrochen vom Gesang der Vögel und dem Rascheln des Windes in den Kronen der Olivenbäume. Wir feierten ein Bittgebet um das Gelingen der Pilgerfahrt und priesen den Herrn dafür, dass Er uns die Möglichkeit geschenkt hatte, an jenem Land zu sein, wo Seine Stimme erklang.

Nach dem Abendessen zogen sich die Pilger in ihre Zimmer zurück – vor uns lagen erfüllte Tage, voller Gnade, Entdeckungen, Gebet und Licht. 

Pilger mit den Nonnen des Gethsemane-Klosters und den Metropoliten Nikolaj und Mark
Pilger mit den Nonnen des Gethsemane-Klosters und den Metropoliten Nikolaj und Mark

Tag zwei – 26. Mai 2025

Beim ersten Morgengrauen versammelten wir uns erneut im Spaso-Himmelfahrtskloster zur Göttlichen Liturgie. Hier, auf dem Berg, von dem der Herr in den Himmel aufgefahren ist, empfingen wir die Heiligen Mysterien Christi. Diese Augenblicke waren von besonderer Tiefe – das Gebet, die morgendliche Stille und das Bewusstsein, an diesem heiligen Ort zu stehen, erfüllten unsere Herzen.

Nach dem Frühstück machten wir uns in Begleitung von Mutter Susanna auf den Weg zur Kapelle der Auffindung des Hauptes Johannes des Täufers. Der kirchlichen Überlieferung zufolge fand hier die erste und zweite Auffindung des Hauptes des Vorläufers des Herrn statt. Wir verneigten uns ehrfürchtig vor der Fundstelle – einer mit Mosaik ausgeschmückten Vertiefung im Boden.

Anschließend wurde uns die Wahl gelassen: entweder das Ölberg-Museum zu besuchen oder auf den Klosterglockenturm zu steigen.

Der Weg zum Museum führte durch Olivenhaine. Mutter Susanna und Archimandrit Roman führten uns durch das Museum, das von Archimandrit Antonin (Kapustin), dem Leiter der Russischen Geistlichen Mission im Heiligen Land von 1869 bis zu seinem Tod 1894, eingerichtet wurde. Wir sahen archäologische Funde, die Archimandrit Antonin nicht nur bei Ausgrabungen im Heiligen Land, sondern auch in Ägypten erworben hatte. Darunter befanden sich alte Münzen, Haushaltsgegenstände und sogar… eine Mumie. Der größte Schatz jedoch war ein antiker armenischer Mosaikboden aus dem späten 5. bis frühen 6. Jahrhundert.

Während ein Teil der Gruppe sich in die Geschichte einzelner Fundstücke vertiefte, stiegen andere Pilger auf den vom Archimandriten Antonin entworfenen Glockenturm. Von seiner Spitze eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf Jerusalem und die Umgebung des Heiligen Landes. Der Turm ist nahezu von jedem Punkt Jerusalems sichtbar und wird auch „Russische Kerze“ genannt.

Danach begaben wir uns zu den prophetischen Höhlen Maleachi, Haggai und Sacharja („Kleine Propheten“). Der Überlieferung nach lebten sie im 6.–5. Jahrhundert v. Chr. Ihre Gräber befinden sich tief in der Höhle, umgeben von weiteren Bestattungen. Auch dieses Grundstück wurde von Archimandrit Antonin (Kapustin) erworben.

Erfüllt von der Begegnung mit der Erinnerung an die alttestamentlichen Gerechten setzten wir unseren Weg fort und reisten zum Gornenski-Kloster.

Im Gornenski-Kloster besuchten wir mehrere Heiligtümer: die Kirche zu Ehren der wundertätigen Ikone der Gottesmutter von Kasan und die Kathedrale Aller Heiligen, die im russischen Land geleuchtet haben. Besonders bewegend war für uns die Berührung eines Steins, der vom Ort der ersten Predigt Johannes des Täufers stammt. Nachdem wir uns vor den Heiligtümern verneigt hatten, machten wir uns – müde, aber voller Freude und Dankbarkeit – zurück in unser Hotel, die tief persönlichen Eindrücke dieses gnadenreichen Tages im Herzen tragend.

Nach einem leichten Abendessen blieb uns Zeit für das Gebet und die Vorbereitung zur nächtlichen Liturgie in der Grabeskirche.

Vor Beginn der Liturgie verneigten sich die Pilger ehrfürchtig und küssten den Salbungsstein, den Golgatha-Felsen und das Heilige Grab.

Die Göttliche Liturgie in der Grabeskirche wurde vom Erzbischof von Hierapolis, Isidor, Vorsteher der Kirche, zelebriert. Ihm konzelebrierten Kleriker der deutschen Diözese. Vladyka Mark war ebenfalls beim Gottesdienst anwesend und empfing die Heiligen Mysterien Christi.

Nach der Feier der Eucharistie besuchten wir die Schatzkammer der Kirche, wo wir uns ehrfürchtig vor zahlreichen Reliquien verneigten, darunter auch ein Partikel des Lebensspendenden Kreuzes des Herrn. Erfüllt von Gebet und Dankbarkeit kehrten wir ins Hotel zurück, um vor der weiteren Reise eine kurze Ruhepause einzulegen.

Tag drei – 27. Mai 2025

An diesem Tag standen wir etwas später als gewöhnlich auf und machten uns nach dem Frühstück auf zum Empfang beim Seligen Patriarchen von der Heiligen Stadt Jerusalem und ganz Palästina, Theophilos III., um seinen erzbischöflichen Segen für unsere Pilgerfahrt durch das Heilige Land zu empfangen. Der Patriarch segnete jeden Pilger persönlich und überreichte als Andenken Ikonen der Gottesmutter und Fotografien des Heiligen Grabes.

Nach diesem herzlichen Empfang beim Patriarchen gingen wir in stiller Andacht den Kreuzweg unseres Herrn Jesus Christus. Es war nicht leicht, an die letzten, schmerzvollen Stunden des irdischen Lebens des Erlösers zu denken und zu beten – das Rufen der Händler, das Hupen der Autos und Karren, das geschäftige Treiben der Straßen der Altstadt Jerusalems holten uns immer wieder in die Gegenwart zurück.

Metropolit Mark, Metropolit Nikolaj, Patriarch Theophilos und Archimandrit Roman (Krasovskij)
Metropolit Mark, Metropolit Nikolaj, Patriarch Theophilos und Archimandrit Roman (Krasovskij)

Die Via Dolorosa – der „Weg des Leidens“ – ist nach kirchlicher Überlieferung der Weg, den der Erlöser mit dem Kreuz auf den Schultern nach Golgatha ging. Wir hielten unser Gebetsgehen von Stephanstor bis Lithostrotos. Wir besuchten das Gefängnis des Herrn, wo Er der Überlieferung nach vor dem Prozess festgehalten wurde, und den Lithostrotos selbst – den Ort, an dem das Leiden Christi begann: Hier wurde Er verurteilt, mit der Dornenkrone gekrönt und zur Kreuzigung geführt. Dies ist eine alte römische Straße, gepflastert mit Steinen, die Kerben tragen, damit Pferde nicht ausrutschten.

Unter der Last des Kreuzes fällt Jesus – ein Moment tiefster Demut und Leiden. Er, der Sündlose, trägt das Kreuz der ganzen Menschheit. Seine Hand berührt den Stein, und der Stein „schmilzt“ unter ihr. Dankbare Bewohner setzten diesen Stein mit dem Handabdruck Christi in die Wand ein, und bis heute kann man ihn verehren. Genau hier wurde Simon von Kyrene gezwungen, das Kreuz des Herrn zu tragen.

Wir kamen auch am Haus der heiligen Märtyrerin Veronika vorbei, an das nur noch eine erhaltene Säule erinnert. Der Überlieferung nach brachte Veronika ein Tuch, mit dem sie den Schweiß vom Antlitz Jesu wischte. Sie erlitt einen Märtyrertod durch die Hand ihres eigenen Vaters wegen ihres Glaubens an Christus.

Ebenfalls besuchten wir den Ort der russischen Ausgrabungen im Alexanderhof der Kaiserlich Orthodoxen Palästinagesellschaft in der Altstadt Jerusalems. Auf diesem Gelände befindet sich die orthodoxe Kirche des Heiligen Alexander Newski, die als Hauskirche des Kaiserhauses errichtet wurde. Besonders beeindruckten uns die „Gerichtstore“. Wie Mutter Susanna erzählte: Hätte damals nur jemand aus der Menge ein Wort zu Jesu Verteidigung gesagt, hätte der Herr freigelassen werden können. Doch dies geschah nicht… Das Volk rief: „Kreuzige ihn!“, und der Erlöser, das sündenlose Lamm, ging durch diese Tore Seinem Kreuzesleiden und dem Tod entgegen. Betrachtend diesen heiligen Ort, stellte sich unwillkürlich jedem von uns die Frage: Was hätte ich gesagt, wäre ich damals unter der Menge gewesen? Und es gibt keine andere Antwort als das Gebet um Erbarmen und Dankbarkeit an Christus für Seine unendliche Liebe.

Unser nächster Halt war das Haus von Joachim und Anna, in dem nach der Überlieferung die Allheilige Gottesgebärerin geboren wurde. Das Haus und die Krypta darunter befinden sich im muslimischen Viertel der Altstadt und grenzen an den Teich Bethesda. Bemerkenswert ist, dass die Kirche besonders an hohen Festtagen auch als Pfarrkirche für die arabischen Christen der Umgebung dient.

Mutter Susanna erzählte uns mit lebendiger Anschaulichkeit aus der Geschichte, und wir lauschten, den Atem anhaltend, um kein einziges Wort zu verlieren. Ihre Erzählungen wärmten die Seele, und man wollte ihr immer weiter zuhören – ohne Ende.

Fast an jedem dieser heiligen Orte las Vladyka Mark Abschnitte aus dem Evangelium, die die hier geschehenen Ereignisse vor 2000 Jahren lebendig werden ließen. Das Herz stockte beim Bewusstsein, dass wir auf dem Boden stehen, auf dem sich die Geschichte unseres Heils vollzog. Wir erwarben das „Gesangsbuch des Pilgers“ und sangen vereint Troparien und Kondakien, erfüllt von tiefem Respekt und Gebetsstimmung.

Nach dem Mittagessen erwartete uns Gethsemane – ein Name, der aus dem Aramäischen „Ölpresse“ bedeutet. Wahrscheinlich stand hier einst eine Presse zur Gewinnung von Öl aus Oliven.

Bis zur Vesper hatten wir noch etwas Zeit, und Mutter Susanna führte uns durch diesen stillen und gnadenreichen Ort. Sie zeigte uns die Stufen, auf denen Jesus Christus auf einem Esel nach Jerusalem hinabstieg, eine kleine Kapelle, in der am Palmsonntag der Gottesdienst gefeiert wird, und den Stein, auf den der Gürtel der Gottesmutter fiel, den sie dem Apostel Thomas übergab. Mutter Susanna erzählte uns die rührende Überlieferung über diesen heiligen Gürtel.

Alle Apostel waren durch den Heiligen Geist auf dem Zion versammelt, als die Gottesmutter entschlief – außer Apostel Thomas. Er verspätete sich. Auf ihren Wunsch hin wurde die Himmelskönigin in der Familiengruft in Gethsemane beigesetzt, wo bereits ihre Eltern und Josef der Bräutigam ruhten. Als Thomas ankam, war er sehr betrübt, dass er sich nicht von der Herrin verabschieden konnte. Um ihn zu trösten, öffneten die Apostel das Grab und sahen, dass der Leib verschwunden war – die Gottesmutter war in den Himmel aufgenommen worden. Dies stärkte ihren Glauben. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten ließen sie immer einen Teil für den Herrn, und eines Tages erschien ihnen die Gottesmutter mit Engeln und sprach: „Freut euch, denn ich bin alle Tage bei euch“, und die Apostel antworteten: „Allheilige Gottesgebärerin, hilf uns.“

Danach eilten wir in die Kirche der heiligen Maria Magdalena in Gethsemane, um den Ersten Hierarchen der Russischen Auslandskirche, Metropoliten von Ostamerika und New York, Nikolaus, zu treffen und an der feierlichen Vesper teilzunehmen. Der Gottesdienst war von tiefer Gebetsstimmung und geistlicher Feierlichkeit erfüllt.

Nach dem Gottesdienst erwartete uns im Hotel ein köstliches Abendessen, bei dem wir die Eindrücke des Tages miteinander teilten. Die Seele bewahrte noch lange das Licht des Erlebten, und die Stille des Abends war der friedvolle Abschluss dieses ereignisreichen Tages im Heiligen Land.

Auf dem Ölberg
Auf dem Ölberg

Tag vier – 28. Mai 2025

(Abschluss des Osterfestes)

Die Göttliche Liturgie in der Kirche der heiligen gleichapostolischen Maria Magdalena in Gethsemane wurde von S. E. Nikolaus, Metropolit von Ostamerika und New York, Erster Hierarch der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, gefeiert. Mit ihm konzelebrierten S. E. Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland, sowie Kleriker aus Deutschland. Mit Ehrfurcht empfingen wir die Heiligen Mysterien Christi, erhoben Dankgebete zum Herrn und setzten mit Frieden im Herzen unseren Weg durch das Heilige Land fort.

Nach dem morgendlichen Mahl im Kloster wandten wir unsere Schritte zu dem Ort im Garten Gethsemane, an dem Jesus vor Seiner Gefangennahme betete. Dieser Teil des Gartens befindet sich heute auf dem Gelände der katholischen Franziskanerkirche „Kirche aller Nationen“ (auch „Kirche der Todesangst Christi“ genannt). Die Franziskanerbrüder empfingen uns mit großer Herzlichkeit. Hier las Vladyka einen Abschnitt aus dem Evangelium nach Lukas (22:39–53) über das Gebet des Herrn im Garten Gethsemane.

Die nächste heilige Stätte, zu der uns Mutter Susanna in Liebe und Fürsorge führte, war das Haus des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes des Theologen, gelegen auf dem Berg Zion, außerhalb der Altstadtmauern. Dieser Ort wurde seit jeher als Wohnstätte des geliebten Jüngers Christi verehrt.

Vor unseren Augen erhob sich ein majestätisches Bauwerk – die Dormitio-Abtei, ein deutsches Benediktinerkloster auf dem Berg Zion in Jerusalem. Nachdem wir eingetreten waren und zum Ort der Entschlafung der Gottesmutter gelangt waren, priesen wir Sie ehrfurchtsvoll mit Lobgesängen und ehrten die Mutter Gottes mit Gebetsgesängen.

Da sich das Haus des heiligen Apostels unweit des Zionstors befindet, führte uns unser nächster Weg in den Abendmahlssaal – den Ort, an dem der Herr das Letzte Abendmahl hielt, den Jüngern die Füße wusch, das Sakrament der Eucharistie einsetzte, ihnen nach Seiner Auferstehung bei verschlossenen Türen erschien, wo Matthäus anstelle des Judas Iskariot gewählt wurde und wo am Pfingsttag der Heilige Geist auf die Apostel herabkam. All diese Ereignisse wurden von den heiligen Aposteln im Evangelium und in der Apostelgeschichte bezeugt.

Vladyka Mark las im Abendmahlssaal einen Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus (26:17–30) über das Letzte Abendmahl, und wir lauschten jedem Wort in dem Bewusstsein, uns an genau jenem Ort zu befinden, an dem der Erlöser das Sakrament der Eucharistie eingesetzt hat.

Nach dem Gebet machten wir uns auf zum griechischen Kloster, das als „Klein-Galiläa“ oder „Kloster der Männer von Galiläa“ bekannt ist. Es liegt inmitten eines malerischen Olivenhains, der diesem Ort besondere Ruhe und Frieden verleiht. Wie uns Mutter Susanna erzählte, erhielt es seinen Namen, weil hier in der Antike Pilger aus Galiläa verweilten, die nach Jerusalem kamen. Der alten Überlieferung zufolge erschien hier der auferstandene Christus Seinen Jüngern und nahm von ihnen ein Stück gebratenen Fisch und Honig entgegen.

Eine Schwester empfing uns herzlich und erzählte uns von den Heiligtümern des Klosters sowie vom Kruzifix, das vor dem Brand im Jahr 1808 auf Golgatha in der Grabeskirche stand und nun im Altar der Klosterkirche bewahrt wird.

Anschließend führte uns die Schwester in eine weitere kleine Kirche, die der Verkündigung der Gottesmutter geweiht ist. Nach der Überlieferung kündigte der Erzengel Gabriel hier der Gottesmutter drei Tage vor ihrem Entschlafen dieses Ereignis an – ein Fakt, der vielen Pilgern unbekannt war. 

Vor dem Abendgottesdienst machten wir uns auf, um eine weitere heilige Stätte zu verehren – den Ort der Himmelfahrt des Erlösers. Seit Jahrhunderten gehört dieses Heiligtum den Muslimen, und neben der Kapelle erhebt sich ein Minarett. Im Inneren der Kapelle befindet sich ein Stein – Teil des natürlichen Felsens –, auf dem sich der Fußabdruck Jesu erhalten hat. Die Orthodoxen nennen diesen Ort liebevoll „Stopotschka“ (kleine Fußspur).

Dann kamen wir zum Ölbergkloster, wo wir erneut in die stille, friedvolle Atmosphäre eintauchten. Hier erwartete uns eine besondere Vigil – ein feierlicher Gottesdienst zu Ehren des Patronatsfestes: Christi Himmelfahrt. Hinter den Steinmauern pulsierte wie zuvor das abendliche Leben Jerusalems, doch im Inneren gab es nur Gebet und das leise Flüstern eines Herzens, das zu Gott strebt.

Mit stiller Freude in der Seele beendeten wir diesen gnadenreichen Tag.

Tag fünf – 29. Mai 2025

(Patrozinium auf dem Ölberg)

An diesem Tag wurde auf dem Ölberg die Göttliche Liturgie gefeiert – eine feierliche und bewegende Liturgie, die die Herzen aller Anwesenden mit tiefer Freude und einer betenden Stimmung erfüllte. Während der Liturgie fand ein wichtiges Ereignis statt – die Einsetzung von Äbtissin Judith, die ihren neuen Dienst mit Sanftmut und Gnade annahm.

Anschließend nahmen alle Gläubigen an einer Prozession teil, deren feierlicher Zug uns in gemeinsames Gebet und geistige Einheit verband. Nach der Prozession versammelten wir uns zu einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem eine Atmosphäre von Wärme, Freude und brüderlicher Liebe herrschte.

Nach dem Mittagessen erwartete uns ein herzlicher Empfang bei Äbtissin Judith. Mit offenem Herzen nahm sie uns auf, und diese Begegnung wurde zu einem wirklich warmen und inspirierenden Erlebnis.

Um Äbtissin Judith an ihrem Tag der Einsetzung zu unterstützen, kamen Metropolit von Ostamerika und New York Nikolaus, Metropolit von Berlin und Deutschland Mark, Archimandrit Roman, Mutter Barbara (Nowikowa), ehemalige Äbtissin des Spaso-Himmelfahrts-Frauenklosters auf dem Ölberg, Äbtissin des Gethsemane-Klosters Mutter Elisabeth (Schmelz) und die Äbtissin des Gornenski-Frauenklosters in Ein Kerem, Mutter Katharina (Tschernyschewa), sowie die Schwestern des Klosters.

Die Metropoliten richteten warme Worte an die Äbtissin und brachten ihre Liebe, ihr Gebetsgedenken und ihre Dankbarkeit für ihre Bereitschaft zum Ausdruck, diesen verantwortungsvollen Dienst anzunehmen.

Zum Abschluss der Begegnung ertönte ein gemeinsames und feierliches: „Eis polla eti!“ („Auf viele und gute Jahre!“). Diese Worte waren erfüllt von aufrichtigen Wünschen nach geistiger Stärke, Weisheit, Geduld und Gottes Hilfe auf dem gewählten Weg.

Diese geistliche Gemeinschaft, erfüllt von Gebet, Aufmerksamkeit und Einmütigkeit, hinterließ in der Seele eines jeden von uns ein helles Gefühl von Freude, Erneuerung und tiefer innerer Ruhe.

Unsere Pilgerfahrt führte uns weiter nach Jaffa, einer antiken Hafenstadt. Archäologische Funde belegen, dass Jaffa bereits 7500 Jahre vor Christus besiedelt war, heute jedoch Teil von Tel Aviv ist.

Mutter Susanna erzählte uns, dass Jaffa sowohl im Alten als auch im Neuen Testament erwähnt wird. Sie berichtete, wie der Prophet Jona von den Ufern Jaffas vor dem Ruf Gottes nach Tarschisch floh, da er nicht nach Ninive gehen und den dortigen Bewohnern predigen wollte. Er hielt sie des göttlichen Erbarmens nicht für würdig und befürchtete, dass der Herr ihnen vergeben würde, wenn sie Buße täten.

Hier, wie wir aus der Apostelgeschichte erfahren, erweckte der Apostel Petrus die fromme Tabitha zum Leben, und während er in Jaffa war, erhielt er eine Vision, durch die ihm offenbart wurde, dass die Gnade Christi und das Heil allen Völkern und nicht nur den Juden zuteilwerden.

Nach alter Überlieferung geriet die Gottesmutter, als sie von Jaffa zusammen mit dem Apostel Johannes dem Theologen nach Iberien (dem heutigen Georgien) segelte, in einen Sturm, und das Schiff legte an der Küste des Athos an. Die Allreine segnete dieses Land mit den Worten, dass es fortan ihr Erbteil sein werde. Seitdem ist der Athos das irdische Erbteil der Gottesmutter, und ihr Segen erstreckte sich auch auf Georgien, wo sich später der christliche Glaube festigte.

Unser Weg führte uns zum russischen Gelände mit dem Grab der heiligen gerechten Tabitha – dem letzten Ankauf von Archimandrit Antonin (Kapustin). Hier besuchten wir die orthodoxe Kirche des heiligen Apostels Petrus und der gerechten Tabitha.

Die heilige gerechte Tabitha, die wegen ihrer Sanftmut und guten Taten den Beinamen „Gazelle“ erhielt, starb der Überlieferung nach mindestens zweimal. Zum ersten Mal in Jaffa (Joppe), wo sie durch das Gebet des Apostels Petrus auf wunderbare Weise wieder ins Leben zurückgerufen wurde. Dies war eine der ersten Auferweckungen eines Menschen durch die Kraft der göttlichen Gnade.

Neben der Kirche befindet sich das Grab der gerechten Tabitha. Die Grabstätte ist mit byzantinischen Mosaiken aus dem 5.–6. Jahrhundert geschmückt. Über dem Grab wurde eine Kapelle errichtet.

Am Grab der heiligen Tabitha sangen wir ehrfürchtig Troparion, Kondakion und Stichiron und ehrten so im Gebet jene, deren Leben von Barmherzigkeit und Liebe geprägt war.

Danach führte uns unser Weg zum sanften Ufer des Mittelmeeres. Wir stürzten uns freudig in die warmen Wellen, spielten und planschten wie Kinder und vergaßen für eine Weile unsere Müdigkeit. Danach erwarteten uns – begleitet vom Rauschen der Brandung und unter der milden Sonne – süße, saftige Wassermelonen, liebevoll von unseren Köchen vorbereitet. Gestärkt an Leib und Seele, müde, aber glücklich, kehrten wir auf den Ölberg zurück. 

Tag sechs – 30. Mai 2025

Am frühen Morgen versammelten wir uns in der Lobby des Hotels Mount of Olives, erhielten den Segen von Vladyka Mark und machten uns mit Freude im Herzen auf den Weg nach Bethanien zur Göttlichen Liturgie. Der Tag begann mit Gebet, und das erfüllte ihn mit einem besonderen Licht.

Die Göttliche Liturgie wurde in der Kirche zu Ehren der Auferweckung des gerechten Lazarus gefeiert. In der Stille des frühen Morgens erklangen die Gebete, und jeder von uns empfing ehrfürchtig die Heiligen Mysterien Christi. Der Gottesdienst wurde von Metropolit Nikolaus geleitet. Eine besondere Freude bereitete die Gebetsgemeinschaft mit Äbtissin Elisabeth vom Gethsemane-Kloster und ihren Schwestern.

Nach der Liturgie wurden wir zur Klostermahlzeit eingeladen – die Klosterküche verwöhnte uns mit einfachen, aber erstaunlich schmackhaften Speisen, die mit Liebe zubereitet waren. Eine besondere Köstlichkeit war der aromatische Tee, der nach einem alten Klosterrezept gekocht wurde – mit Kräutern, Gewürzen und einem fast unmerklichen orientalischen Hauch.

Den Abschluss des Vormittags bildete eine kleine Führung mit Mutter Maria über das russische Gelände in Bethanien. Die ganze Gruppe begab sich zur Kapelle auf dem Klosterhof, wo Martha und Maria den Herrn empfingen, als Er nach dem Tod des Lazarus nach Bethanien kam. An dieser Stelle führte einst die alte Steinstraße von Jerusalem her.

Aus dem Bericht von Mutter Maria erfuhren wir, dass hier 1934 ein rechteckiger Stein gefunden wurde, in den auf Griechisch eingemeißelt war: „Hier hörten Martha und Maria zum ersten Mal vom Herrn das Wort von der Auferstehung von den Toten. Der Herr…“ – die Inschrift bricht ab. An der Fundstelle des Steines wurde die Kapelle errichtet.

Wir verehrten die Reliquie und setzten unser herzliches Gespräch mit Mutter Maria fort. Sie erzählte uns viel Interessantes über die Geschichte der Gründung der russischen Internatsschule für arabische orthodoxe Mädchen (1937). Heute ist es eine allgemeinbildende Mädchenschule mit 404 Schülerinnen – vom Vorschulalter bis zur 12. Klasse. Mutter Maria teilte auch ihre Beobachtungen über das Leben unter der arabischen Bevölkerung, denn die Schule liegt in einem muslimischen Viertel. Sie betonte, dass ein friedliches Zusammenleben ständige Geduld, Weisheit und Gebet erfordert.

Mutter Maria zeigte uns außerdem eine natürliche Höhle, die die ersten Schwestern als Ort der Einsamkeit und des Gebets nutzten. Damals befand sich hier eine kleine Kapelle. Heute steht an dieser Stelle eine neue Kapelle, die zu Ehren des heiligen Nikolaus des Wundertäters geweiht ist. Im Jahr 2021 ereignete sich in der Türkei ein starkes Erdbeben, das trotz der großen Entfernung die Höhle schwer beschädigte. Bis heute dauern die Restaurierungsarbeiten an.

Herzlich verabschiedeten wir uns von Bethanien und fuhren weiter zum Kreuzkloster – der nächsten wichtigen Station unserer Pilgerreise. Dieses Kloster ist mit der Überlieferung der Begegnung Abrahams mit dem Herrn in Gestalt der drei Engel verbunden. So erzählte uns Mutter Susanna:

Abraham nahm die Engel gastfreundlich auf, indem er sie für Fremde hielt, und einer von ihnen versprach Sara, dass sie bei ihrer Rückkehr einen Sohn haben werde. Als Sara dies hörte, lächelte sie still vor sich hin, ungläubig gegenüber dem Wunder. Dieses Lächeln – das Lächeln des Zweifels – verwandelte der Herr in Freude: Ein Jahr später wurde ihr Sohn Isaak geboren, dessen Name „Lachen“ bedeutet.

Nachdem er die Fremden bewirtet hatte, fragte Abraham, wohin sie gingen, und bemerkte ihre Stäbe. Sie antworteten, dass sie nach Sodom gingen, um es zu zerstören. Nach der Vernichtung der Stadt überlebten nur vier Menschen: Lot, der Neffe Abrahams, seine Frau – die sich umdrehte und zu einer Salzsäule wurde – und Loths zwei Töchter. In dem Glauben, dass außer ihnen niemand mehr auf der Erde lebte, gaben die Töchter ihrem Vater Wein zu trinken und sündigten mit ihm. Als Abraham von dieser schrecklichen Sünde erfuhr, gab er seinem Neffen die drei Stäbe der Fremden (Zypresse, Zeder und Kiefer) und befahl ihm, sie zu gießen. Die Bäume wuchsen und verschmolzen zu einem einzigen. Beim Bau des Tempels Salomos (10. Jh. v. Chr.) wurde dieser Baum gefällt, um den Tempel zu schmücken, doch er passte nicht und wurde in den Schafteich geworfen. Zur Zeit Jesu wurde daraus das Kreuz für Seine Kreuzigung gemacht.

Die heilige Helena, die Mutter des gleichapostolischen Kaisers Konstantin des Großen, bat ihren Sohn, an der Stelle, an der der Baum gestanden haben soll, eine Kirche zu errichten. So entstand im 4. Jahrhundert die erste Kirche an diesem heiligen Ort.

Nach der Überlieferung verbrachte im Kreuzkloster der große georgische Dichter Schota Rustaveli seine letzten Lebensjahre. Sein Bild ist noch heute an der Klosterwand zu sehen – ein altes Fresko mit einer georgischen Inschrift.

Das Kreuzkloster hinterließ bei uns einen tiefen Eindruck. Ehrfürchtig sangen wir das Gebet: „Deinem Kreuz, o Gebieter, beten wir an“ und verehrten das Kruzifix.

Unsere nächste Station war das griechisch-orthodoxe Männerkloster Katamon zu Ehren des heiligen Simeon des Gottesempfängers. Hier befindet sich auch sein Grab.

Nach der Überlieferung befand sich an diesem Ort das Haus des Simeon, und hier wurde er nach seinem Tod beigesetzt. Simeon war einer der siebzig Übersetzer, die die Heilige Schrift aus dem Hebräischen ins Griechische übertrugen. Als er am Buch des Propheten Jesaja arbeitete, wollte er anstelle der Worte „Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären“ schreiben: „Die Frau wird gebären…“, da er meinte, die Prophezeiung könne nicht wörtlich verstanden werden. Da erschien ihm ein Engel und befahl, das Wort „Jungfrau“ zu belassen. Simeon erzählte dies den anderen Übersetzern, aber sie glaubten ihm nicht. Daraufhin zog er seinen Ring vom Finger und warf ihn ins Meer, mit den Worten: „Wenn der Ring zu mir zurückkehrt, wird dies euch ein Zeichen der Wahrheit sein.“ Und siehe da – am nächsten Morgen wurde der Ring in einem Fisch gefunden, der beim Mahl auf den Tisch kam. Dieses Wunder überzeugte alle, dass in der Prophezeiung tatsächlich „Jungfrau“ stehen müsse. An den Klosterwänden sahen wir alte Ikonen, darunter drei, die diese wunderbare Überlieferung darstellen.

Nachdem wir das Grab des Heiligen verehrt hatten, fuhren wir ins Hotel zurück, wo uns Abendessen und eine kurze Ruhepause nach einem ereignisreichen Tag erwarteten.

Tag sieben – 31. Mai 2025

An diesem Tag führte uns unser Weg nach Bethlehem (Stadt des Brotes), dem Ort der Salbung von König David und der Stadt, in der der Erlöser der Welt geboren wurde.

Frühzeitig angekommen, konnten wir in Stille in der Geburtsgrotte den Ort der Geburt des Messias verehren – er ist mit einem silbernen Stern unter dem Altar markiert. Dann gingen wir zur Krippe, wo das göttliche Kind nach Seiner Geburt hingelegt wurde.

Die Göttliche Liturgie wurde auf Arabisch und Griechisch gefeiert. Mit besonderem Segen durften unsere Priester die Friedens- und die inständigen Litaneien auf Kirchenslawisch ausrufen. Nachdem wir das Gebet „Vater unser“ gesungen hatten, empfingen wir ehrfürchtig die Heiligen Mysterien Christi.

Nach der Heiligen Kommunion führte uns Mutter Susanna durch eine der ältesten ununterbrochen genutzten Kirchen der Welt – die Basilika der Geburt Christi. Das Bodenmosaik aus byzantinischer Zeit in der Mitte der Kirche beeindruckte durch die Schönheit seines antiken Ornaments. Die einzigartigen Wandmosaiken und Fresken an den Säulen wurden erst vor wenigen Jahren freigelegt und sind ein wahres Juwel des Klosters.

Nach einem Frühstück in einem gemütlichen Café, wo man uns bereits erwartete, fuhren wir zum Hirtenfeld. Auf der Fahrt durch die Stadt bemerkten wir, dass auf manchen Häusern der heilige Nikolaus oder der heilige Georg der Siegesträger abgebildet ist, die hier sehr verehrt werden. Wie Mutter Susanna erklärte, unterscheiden sich so christliche Häuser von muslimischen – es ist eine stille Form des Glaubenszeugnisses.

Das Hirtenfeld. Nach dem Evangelium hörten die Hirten hier als Erste von den Engeln die frohe Botschaft von der Geburt Christi. Vladyka Mark las einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium (Lk 2,1–20). Nach dem Gebet gingen wir zum Grab der drei heiligen Hirten in der Krypta des griechischen Klosters, einer Dependance der Lavra des heiligen Sabbas des Geheiligten.

Nachdem wir die Reliquie verehrt hatten, setzten wir unseren Weg zur Lavra des heiligen Sabbas des Geheiligten in der judäischen Wüste fort. 

Nach der Klosterregel ist Frauen der Eintritt in die Lavra des heiligen Sabbas verboten, und diese Tradition wird bis heute streng beachtet. Während Vladyka Mark mit den Männern unserer Gruppe im Inneren war, beteten wir draußen und sangen Troparien, Kondakien und das Magnifikat zu Ehren des heiligen Sabbas und des heiligen Johannes von Damaskus, der hier im 8. Jahrhundert das Mönchsgewand nahm und etwa ein halbes Jahrhundert lebte. Ortsansässige Beduinen zeigten uns die Höhle, in der er der Überlieferung nach asketisch lebte.

Einer der Mönche der Lavra brachte uns den Schrein mit den Reliquien der Heiligen, zu denen wir ehrfürchtig beteten, sowie Öl von der Lampe des heiligen Sabbas, sammelte Zettel mit Namen und gab uns fürsorglich einen Sonnenschirm – an diesem Tag brannte die Sonne besonders heiß… Mutter Susanna erzählte eine interessante Einzelheit:

Im Kloster gab es nie und gibt es bis heute keinen Stromanschluss, die Brüder benutzen tragbare Lampen.

Von einem benachbarten Berg aus auf das Kloster blickend, verspürten wir tiefe Ruhe und Bewunderung. Die Majestät der alten Mauern, umgeben von der Stille und Schönheit der Natur, erfüllte das Herz mit leiser Freude, als wäre hier die Zeit stehen geblieben und hätte die heilige Atmosphäre von Frieden und Gebet bewahrt. Ein unwirkliches Gefühl – inmitten der schweigenden Wüste zu stehen, wo Himmel und Erde verschmelzen, und ringsum – nur Stille, Sonne und Ewigkeit.

Unsere Pilgerreise führte uns weiter zum Kloster des heiligen Theodosius des Großen, wo uns Abt Ephraim herzlich empfing. Viele Jahre hatte er im Kloster des heiligen Sabbas gelebt.

Nach dem Bericht von Mutter Susanna wurde das Kloster neben der Höhle gegründet, in der die Weisen der Überlieferung nach auf ihrer Rückreise nach der Anbetung Christi übernachteten, um König Herodes zu meiden.

In der Höhle des Klosters des heiligen Theodosius ruhen nicht nur seine Reliquien, sondern auch die anderer Heiliger: Johannes Moschos, der heiligen Euphrosyne – der Mutter des heiligen Theodosius, der heiligen Sophia – der Mutter des heiligen Sabbas, der heiligen Theodotia – der Mutter der heiligen Kosmas und Damian, der Mutter des heiligen Panteleimon, sowie der gerechten Eheleute Xenophon und Maria. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ruhten hier auch die Reliquien der heiligen Fürstin Euphrosyne von Polozk, die während einer Pilgerreise in Jerusalem verstarb.

Zum Abschied salbte uns Vater Ephraim mit heiligem Öl, und wir machten uns mit Frieden im Herzen auf den Weg zum Ölberg zum Abendgottesdienst.

Tag acht – 1. Juni 2025

Der Morgen dieses Tages begann mit der Göttlichen Liturgie in Getsemani. Nachdem wir die Heiligen Mysterien Christi empfangen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Toten Meer – dem tiefsten Punkt auf der Erdoberfläche. Sein dichtes Salzwasser trägt den Körper nicht nur außergewöhnlich leicht an der Oberfläche, sondern ist seit jeher für seine heilenden Eigenschaften bekannt. Einige nutzten die Gelegenheit, den Körper mit heilendem Schlamm zu bedecken, der für seine gesundheitsfördernden Wirkungen berühmt ist.

Es war ein seltenes und erstaunliches Gefühl – von solcher ursprünglichen Natur umgeben zu sein.

Unser Mittagessen hatten wir in einem der Cafés in Qumran. Genau in dieser Gegend wurden die Qumran-Rollen gefunden (Pergamente aus Kalbshaut), die laut Mutter Susanna auch als Schriftrollen vom Toten Meer bekannt sind, datiert aus der Zeit des Zweiten Tempels (ungefähr zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr.). Es handelt sich um alte hebräische und aramäische Texte, die von Beduinenhirten in Höhlen nahe des Toten Meeres entdeckt wurden und vom Leben und Glauben der Menschen jener Zeit berichten. Die Beduinen begannen, sie auf dem schwarzen archäologischen Markt zu verkaufen. Wissenschaftler erkannten ihre Bedeutung, und viele der Handschriften wurden von Israel aufgekauft.

Nach dem Mittagessen setzten wir unsere Fahrt ins Kloster des hl. Gerasimos des Jordan fort. Als wir das Kloster betraten, fühlte es sich an, als wären wir in eine andere Welt eingetreten – vor uns öffnete sich eine wahre Oase: ein Meer aus Grün, Bäumen, Blumen, Vogelgesang – alles lag im Schatten von Palmen. Der Abt des Klosters – Archimandrit Chrysostomos, aus Zypern stammend – hatte seit 1976 diese Stätte, die damals praktisch verlassen war, eigenhändig wieder aufgebaut – es gab weder Wasser noch Strom noch überhaupt einen Weg dorthin.

Nach einigen Metern sahen wir Statuen eines Löwen und eines Esels. Mutter Susanna erzählte uns die rührende Geschichte vom heiligen Gerasimos und seinem ungewöhnlichen Begleiter – einem Löwen. Der Überlieferung nach traf Gerasimos eines Tages einen Löwen mit einem Dorn in der Pfote. Er zog den Stachel heraus, verband die Wunde – und von da an wich der Löwe nicht mehr von seiner Seite, wurde wie ein Novize, der den Heiligen überallhin begleitete.

Später wurde dem Löwen aufgetragen, den Klostere¬sel zu bewachen, der Wasser aus dem Jordan trug. Eines Tages wurde der Esel gestohlen, und der Löwe kehrte ohne ihn zurück. Der Heilige dachte, der Löwe habe den Esel gefressen, und befahl ihm, das Wasser selbst zu tragen. Nach einiger Zeit begegnete der Löwe zufällig einem Händler, der genau diesen Esel besaß. Er erkannte ihn und brachte den Esel zusammen mit der Karawane ins Kloster zurück. So stellte sich die Wahrheit heraus, und der Heilige vergab seinem treuen Löwen. Seitdem nannte man ihn „Jordan“.

Die Schwestern des Klosters empfingen uns herzlich und erzählten, dass das Kloster an dem Ort gegründet wurde, an dem der Überlieferung nach die Heilige Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten übernachtet haben soll. Genau hier habe die Allheilige Gottesgebärerin den Jesusknaben gestillt. In der unteren Kirche, die in einer Höhle eingerichtet ist, befindet sich eine große Ikone „Galaktotrophousa“ („Milchspenderin“). Mit dem Segen von Vladyka Mark verehrten wir diese Reliquie, und Vater Alexander salbte uns mit Öl aus der Lampe, die vor der Ikone brennt.

Von dort fuhren wir nach Jericho – eine der ältesten Städte der Welt. Auf Arabisch nennt man sie „Riha“ – „Mond“, weil der Mond hier nachts besonders schön sei. Jericho liegt 400 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit auch die „tiefstgelegene“ Stadt der Welt. Es ist eine muslimische Stadt, und die Christen hier sind sehr wenige – etwa zweihundert Menschen.

Hier, in der judäischen Wüste, erhebt sich der Berg der Versuchung. Genau hierher kam Jesus nach seiner Taufe und fastete 40 Tage, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen. So zeigte Er uns, wie man alles zurückweist, was von Gott wegführt. Auf dem Berg wurde das Kloster der Versuchung errichtet, das auch „Kloster Qarantal“ genannt wird (vom lateinischen „quadraginta“ – „vierzig“).

Nach dem Lesen eines Abschnitts aus dem Evangelium nach Matthäus (4, 1–11) über das vierzigtägige Fasten des Herrn in der Wüste und Seinen Sieg über die Versuchungen des Teufels beteten wir an diesem heiligen Ort und fuhren dann weiter – zum Gelände der Russischen Geistlichen Mission mit einer Kapelle an der Stelle der Heilung des Blinden.

Nach den Erzählungen von Vladyka Mark und Mutter Susanna war das Gehöft von Archimandrit Antonin für Pilger zum Ort der Taufe im Jordan erworben worden. Nachdem wir die Reliquie besucht, gebetet und für einen weiteren geschenkten Tag im Heiligen Land gedankt hatten, fuhren wir ins Hotel, wo uns das Abendessen erwartete.

Tag neun–2. Juni 2025. Abreise nach Galiläa

(zweitägige Pilgerfahrt)

Dieser Tag wurde für uns zu etwas Besonderem, lang Ersehntem und wahrhaft Unvergesslichem. Wir bereiteten uns darauf mit Ehrfurcht und innerer Freude vor, denn vor uns lag die Reise nach Galiläa und – das Wichtigste – die Taufe im heiligen Wasser des Jordanflusses.

Früh am Morgen versammelten wir uns in der Hotellobby. Nachdem wir den Segen unseres geliebten Vladyka Mark empfangen hatten, machten wir uns betend auf den Weg, der uns zur großen Reliquie – dem Jordan – führen sollte, in dessen Wasser sich der Herr selbst taufen ließ.

Und da war er – der Jordan – vor uns. Stille. Das Wasser fließt ruhig. Vogelgezwitscher. Alles ringsum scheint stillzustehen… Hier zu stehen bedeutet, an der Schwelle zur Ewigkeit zu stehen.

Die große Wasserweihe und das ehrfürchtige Untertauchen in den Jordan mit den Worten: „Im Namen des Vaters. Amen“, „und des Sohnes. Amen“, „und des Heiligen Geistes. Amen“. In diesen heiligen Momenten erneuerten und bekräftigten wir unsere Taufe.

Mit diesem Segen im Herzen setzten wir unseren Weg fort – nach Kafarnaum, an die Ufer des Galiläischen Meeres. Nach dem Evangelium hielt sich der Herr oft hier mit seinen Jüngern auf: Er predigte in der Synagoge, deren Ruinen wir aus der Ferne sehen konnten, heilte einen Mann mit einer verdorrten Hand, erweckte die Tochter des Jairus, heilte die Schwiegermutter des Apostels Petrus und wirkte viele andere Wunder, durch die Er den Menschen die Kraft der göttlichen Liebe zeigte.

Erste Station war die Kirche der Zwölf Apostel in Kafarnaum, idyllisch am Ufer des Galiläischen Meeres gelegen. Wir wurden herzlich von Vater Irinarch empfangen – dem einzigen Mönch, der sich um die Kirche kümmert und den gesamten Haushalt führt. Wir versammelten uns unter den Gewölben der Kirche und lasen einen Abschnitt aus dem Evangelium.

Nach einem Frühstück am Ufer des Sees von Tiberias beteten wir, dankten Vater Irinarch für den herzlichen Empfang und machten uns weiter auf den Weg durch das Land Galiläa.

Unser Weg führte uns nach Tabgha – zur Kirche der Brotvermehrung. Unsere treue und inspirierende Begleiterin, Mutter Susanna, erzählte, dass sich hier nach der Überlieferung eines der größten Wunder ereignet habe: Als Jesus vom Tod Johannes des Täufers erfahren hatte, zog Er sich zum Gebet zurück, doch eine große Menschenmenge folgte Ihm. Den ganzen Tag heilte Er sie, und am Abend, als alle hungrig waren, segnete Er fünf Brote und zwei Fische – und sättigte damit etwa fünftausend Menschen.

Heute steht an diesem Ort eine katholische Kirche, in der Mönche des Benediktinerordens dienen. Vladyka Mark las den Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus (14, 13–21) über die Brotvermehrung. Nach dem Gebet betrachteten wir mit Interesse die antike Mosaikpflasterung aus dem 4. Jahrhundert, die den Kirchenboden schmückt. Darauf sind Pflanzen und Tiere des Heiligen Landes sowie christliche Symbole dargestellt. Im Altarbereich kann man Abbildungen von Fischen und einem Korb mit Broten sehen. Mutter Susanna erzählte uns auch interessante Fakten über den Ort, an dem der Herr den Apostel Petrus in seinem apostolischen Dienst bestätigte, indem Er zu ihm sagte: „Weide meine Schafe.“

Unsere nächste Station war der Berg der Seligpreisungen. Er liegt am Ufer des Sees Gennesaret, unweit von Kafarnaum. Der Berg der Seligpreisungen ist ein unglaublich schöner Ort, eingebettet in Grün und Blumen. Hier herrscht Stille, die Luft ist erfüllt von Düften, und von der Spitze eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf den See von Galiläa. Hier befindet sich eine katholische Kirche zu Ehren der Seligpreisungen.

Vladyka Mark las den Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus (5, 1–15) und hielt dann eine inspirierende Predigt über den Sinn der evangelischen Gebote, die einst genau an diesem Ort verkündet wurden. Seine Worte berührten jeden von uns tief:

„Der Herr stellt Seine Lehre jeder menschlichen Denkweise, jeder Philosophie entgegen. Er widerlegt alles Menschliche in diesen neun Seligpreisungen. Das gesamte menschliche Leben ist auf Stolz und Gegeneinander aufgebaut, doch der Herr lehrt etwas völlig Gegenteiliges. Er bereitet die Menschen nicht für diese Welt, sondern für das Himmelreich vor. Wenn man geschlagen wird – ertrage es, nimm alles an. Der Herr sendet es, nicht dein Nachbar oder Feind…“, – aus der Predigt von Vladyka Mark auf dem Berg der Seligpreisungen.

Nach Gebet und Predigt stiegen wir zum See hinab, um zu Mittag zu essen und den „Fisch des Apostels Petrus“ zu kosten. Anschließend machten wir eine kleine Bootsfahrt auf dem See Gennesaret – auf demselben See, auf dem der Herr wandelte. Als wir weit genug vom Ufer entfernt waren und die Motoren verstummten, trat Stille ein. In dieser ehrfürchtigen Stille las Vladyka Mark den Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus über den Apostel Petrus, der, als er den Herrn auf dem Wasser gehen sah, ebenfalls zu Ihm gehen wollte, doch als er sich vor den Wellen fürchtete, begann er zu sinken (Mt 14, 22–33). Wir hörten das Evangelium, während wir mitten auf dem See standen, als wären wir in jene fernen Evangelienzeiten versetzt, in denen sich dies tatsächlich ereignet hatte.

Dann führte unser Weg nach Nazareth – der Stadt, in der die Kindheit und Jugend Jesu Christi vergingen. Jeder war in seine Gedanken und Eindrücke versunken. Müde, aber glücklich, kamen wir in der Stadt der Verkündigung an. Nach dem Abendessen gingen wir auf unsere Zimmer, um uns auszuruhen und diesen ereignisreichen Tag mit Dank an Gott zu beschließen.

Tag zehn – 3. Juni 2025

(Gedenktag der heiligen gleichapostolischen Kaiser Konstantin I. der Große und seiner Mutter Helena)

Mit den ersten Sonnenstrahlen eilten wir zur Göttlichen Liturgie in Nazareth – in die Kirche an der Stelle der Verkündigung der Allerheiligsten Gottesgebärerin. Dies war ein besonderes Gottesdienst, denn genau hier, so die Überlieferung, verkündete der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria, dass sie die Mutter des Erlösers der Welt werden würde. „Freue dich, du Begnadete!“ – mit diesen Worten begrüßte der Engel die Allreine Jungfrau. Die Begegnung des Engels mit der Gottesmutter geschah an der Quelle, die bis heute existiert. Wir traten ehrfürchtig an diesen heiligen Ort, wuschen uns und tranken von dem Wasser der Quelle, in der lebendigen Verbindung mit den Evangeliumsgeschehnissen, die sich hier vor über zweitausend Jahren ereignet hatten.

In der Kirche dienen orthodoxe Araber, und der Gottesdienst fand auf Arabisch und Griechisch statt. Es erklangen auch Gesänge in Kirchenslawisch. An der Göttlichen Liturgie nahm Metropolit Nikolaus teil. Nachdem wir den Leib und das Blut Christi empfangen und dem Herrn für diese große Gnade gedankt hatten, gingen wir zum Frühstück ins Hotel.

Gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Berg Tabor – dem Ort, an dem sich nach dem Evangelium Jesus Christus vor seinen Jüngern verklärt und ihnen seine göttliche Herrlichkeit gezeigt hat. Die Straße zum Gipfel war kurvenreich, doch jede Minute des Weges war erfüllt von der Erwartung, dieser großen Reliquie zu begegnen.

Und so befanden wir uns im griechisch-orthodoxen Frauenkloster der Verklärung des Herrn. In der Kirche – ein Ikonostas von außergewöhnlicher Schönheit mit alten russischen Ikonen. Die hier besonders verehrte Reliquie ist das wundertätige Ikonenbild der Gottesmutter „Unverwelkliche Blume“. Erstaunlicherweise wurde es auf gewöhnlichem Zeitungspapier gemalt und kam auf wunderbare Weise in einer Flasche über das Meer an die Küste des Mittelmeers. Der Autor der Ikone ist der heilige Theophanes der Grieche. Zu den Seiten – die Propheten Elija und Mose, als Erinnerung an das Evangeliumsgeschehen der Verklärung auf diesem Berg. Vladyka Mark las das Evangelium nach Matthäus (17, 1–9). Wir nahmen schweigend die Worte der Schrift auf, als würden wir selbst Teilnehmer dieser großen Offenbarung sein. Nach Gebet und Verehrung der Reliquien setzten wir unseren Weg fort – nach Kana in Galiläa, wo der Herr sein erstes Wunder wirkte.

In Kana angekommen, gingen wir zur griechisch-orthodoxen Kirche des heiligen Großmärtyrers Georg des Siegreichen. Diese Kirche bewahrt die Erinnerung an das erste Wunder des Herrn – die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit. Besonderen Eindruck auf uns machten die alten steinernen Wasserkrüge – stumme Zeugen des Evangeliumsgeschehens. Wir versammelten uns erneut zum Gebet, lasen den Abschnitt aus dem Evangelium nach Johannes (2, 1–11) und machten uns, erfüllt von Dankbarkeit für die Möglichkeit, die heiligen Orte zu berühren, auf den Weg zur Abendvesper auf den Ölberg. 

Tag elf – 4. Juni 2025

Nachdem wir den Segen von Vladyka Mark erhalten hatten, machte sich unsere große Gruppe auf den Weg zur Pharan-Lavra des heiligen Chariton. Aus den Worten von Mutter Susanna erfuhren wir, dass dies eines der ältesten Klöster des Heiligen Landes ist, das in den 330er Jahren von dem heiligen Chariton dem Bekenner in der judäischen Wüste gegründet wurde. Sie gilt als die erste Lavra in Palästina.

Mutter Susanna erzählte uns eine erstaunliche Geschichte aus dem Leben des heiligen Chariton. Auf dem Weg nach Jerusalem, um die heiligen Stätten zu verehren, wurde er von Räubern überfallen. Durch Gottes Gnade blieb er wie durch ein Wunder am Leben. Dieses Ereignis wurde zum Wendepunkt in seinem Leben: Der Heilige betrachtete seine Rettung als Zeichen von oben und beschloss, genau dort zu bleiben, wo der Herr ihn vor dem Tod bewahrt hatte. Das von den Räubern erbeutete Gold verteilte er an die Armen und Klöster, und in der Höhle, in der er gefangen gehalten wurde, richtete er eine Kirche ein. Mit der Zeit bildete sich um sie eine Klostergemeinschaft, die in ganz Palästina berühmt wurde – die Pharan-Lavra.

Obwohl es früher Morgen war, brannte die Sonne gnadenlos. Am Eingang des Klosters empfing uns der von uns so geliebte Mönch Chariton – besonders für diejenigen, die schon mehrfach in der Lavra waren, wurde sein helles Lächeln und warmes Wort zu einer wahren Freude. Seit 1997 ist er der einzige Mönch und Bewohner des Klosters.

Vorbeigehend an der Kapelle zu Ehren der Ikone der Gottesmutter „Portaitissa“ verehrten wir das heilige Bild der Gottesmutter. Dann stiegen wir zur Kirche hinauf, die dem heiligen Nikolaus dem Wundertäter geweiht ist, zur Göttlichen Liturgie. Der Gottesdienst fand in besonderer Stille und Gebetskonzentration statt. Am Ende der Liturgie empfingen alle die Heiligen und Furchtbaren Mysterien Christi, verehrten noch einmal die alten, gnadenstrahlenden Ikonen und begaben sich zum Ort der Klostermahlzeit. Unter einem Sonnendach warteten bereits liebevoll gedeckte Tische – die von unseren Pilgerinnen zubereiteten Speisen schmeckten nach dem frühen Aufstehen und Gebet besonders gut. Vater Chariton bewirtete uns mit aromatischem Kräutertee mit Zitrone – er war unglaublich köstlich und erfrischte wunderbar in der Hitze.

Nach dem Gebet und dem Dank an den Herrn für die Mahlzeit begannen wir langsam die enge, steile Treppe zu erklimmen, jede Stufe mühsam nehmend, um in die Höhlenkirche zu gelangen, die dem heiligen Chariton dem Bekenner geweiht ist. Hier, in der Stille und Kühle der alten Höhle, war die Heiligkeit dieses Ortes besonders spürbar, an dem einst der Gründer der Lavra selbst betete. Die Höhlenkirche ist mehr als 1.680 Jahre alt.

Die Höhlenkirche des heiligen Chariton beeindruckte uns mit ihrem Alter. An den von der Zeit geschwärzten Wänden – Ikonen, die Jahrhunderte der Heiligkeit atmen. Das Halbdunkel der Höhle erfüllte das Herz mit einem besonderen inneren Licht. Vater Chariton hielt eine eindringliche Predigt – schlicht, aber voller geistiger Tiefe. Er sprach über Reue, Demut und Vertrauen in Gott, und jedes seiner Worte fand Resonanz in der Seele. Wir hörten ihm atemlos zu, und niemand wollte fortgehen – so stark war die spürbare Gegenwart Gottes in diesen uralten Steinmauern, die durch Jahrhunderte des Gebets geheiligt sind.

„Wieder auf der Erde angekommen“, gingen wir zum Grab des heiligen Chariton. In Stille betete jeder von uns, berührte mit dem Herzen die Reliquie und bat den großen Asketen um Fürsprache.

Unser Weg führte zurück nach Jerusalem, und wir konnten nicht versäumen, die Kirche der Entschlafung der Allerheiligsten Gottesgebärerin zu besuchen, wo die Allreine Jungfrau zum Herrn entschlafen ist. Die Kirche liegt unter der Erde. Als wir die breite Steintreppe hinabstiegen, befanden wir uns in einer unterirdischen Kirche in Kreuzform. In der Mitte – die Marmorkuvuklia mit dem Grab der Allerheiligsten Gottesgebärerin, und hinter der Kuvuklia, in einem Schrein aus rosafarbenem Marmor, wird die wundertätige Ikone der Gottesmutter „Jerusalemerin“ aufbewahrt. Ehrfürchtig sangen wir das Gebet „Meine gütigste Herrscherin“, dessen Klang die Kirche mit besonderer Feierlichkeit und Gnade erfüllte, als würde jeder Ton zum Himmel aufsteigen.

In der Kirche sind auch die heiligen Joachim und Anna, die Eltern der Jungfrau Maria, und der gerechte Joseph der Bräutigam begraben. Nachdem wir ihnen mit Gebet und Dank verehrt hatten, verließen wir die Kirche in Stille und trugen im Herzen das ehrfürchtige Gefühl der Berührung mit dem großen Geheimnis.

Da dies unser letzter Tag im Heiligen Land war, gingen wir in die Altstadt von Jerusalem, um uns in Stille und Gebet vom Heiligen Grab zu verabschieden. Jeder von uns legte sich noch einmal auf den Salbungsstein, trat in die Kuvuklia ein und betete mit angehaltenem Atem am Heiligen Grab, dankbar für die geistlichen Gaben, die wir in diesen Tagen empfangen hatten.

Wir stiegen auch auf Golgatha – an den Ort der Kreuzigung des Erlösers, beugten uns vor der Reliquie und verweilten lange im Gebets-Schweigen, indem wir den Herrn um Frieden, Reue und die Kraft baten, all das, was wir während der Pilgerfahrt erlebt hatten, im Herzen zu bewahren.

Alle Pilger eilten zur Vesper und Matutin auf den Ölberg, die von Metropolit Nikolaus geleitet wurde.

Am Ende des Gottesdienstes erwartete uns ein Abschiedsabendessen im Hotel. Es war herzlich und warm, als hätten wir uns im Familienkreis versammelt. Der Abschied fiel schwer. Metropolit Nikolaus, Archimandrit Roman, Äbtissin Iudif – Vorsteherin des Erlöser-Himmelfahrts-Frauenklosters auf dem Ölberg, Äbtissin des Gethsemane-Klosters Mutter Elisabet und Mutter Maria verabschiedeten uns mit tiefen, herzlichen Worten und Segenswünschen, die unsere Herzen wärmten und unseren Geist vor der bevorstehenden Heimreise stärkten.

Tag zwölf – 5. Juni 2025

Gegen Mitternacht versammelten sich alle Pilger erneut, um sich zur nächtlichen Göttlichen Liturgie in der Kapelle zu Ehren des heiligen Johannes des Vorläufers – zum Gedenken an die Auffindung seines ehrwürdigen Hauptes – zu begeben. Dieser letzte Gottesdienst im Heiligen Land, geleitet von Seiner Eminenz Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland, wurde zu einem besonderen geistlichen Abschluss unserer Pilgerfahrt.

Nachdem wir den Heiligen Leib und das Blut Christi empfangen und den archipastoralen Segen von Vladyka Mark für den bevorstehenden Weg erhalten hatten, machten wir uns dankbar im Herzen auf den Weg zum Bus, um zum Flughafen Ben Gurion zu fahren. Das morgendliche Jerusalem verabschiedete sich schweigend von uns, als bewahre es unsere Gebete und Tränen der Rührung in sich.

Um 9:05 Uhr landete unser Flugzeug sicher in München. Doch das Herz eines jeden von uns blieb dort – bei den Reliquien, wo der Himmel der Erde näher zu sein scheint. Wir nahmen nicht nur Erinnerungen mit, sondern auch einen Teil der Gnade, um sie im Alltag sorgfältig zu bewahren und das Licht des Heiligen Landes in unsere Häuser, Familien und Herzen zu tragen.


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