Köln: Ölweihe, Konziliares Gebet und Nächstenliebe

Aktualisiert: 11. Apr.


Am 09.04. reiste Bischof Hiob nach Köln, um vor der Vigil zum Sonntag die Ölweihe zu zelebrieren. Zu den vier Priestern der Gemeinde kamen noch sechs weitere und ein Diakon hinzu. In der zahlenmäßig größten Gemeinde unserer Diözese ist die Ölweihe auch eine logistische Herausforderung, die aber geordnet, zügig und ruhig vonstatten ging.

Die Kölner Gemeinde hat einen sehr aktiven Teil an Ukrainern, die sich derzeit besonders in der Flüchtlingshilfe und in der Organisation von Hilfskonvois in das Kriegsgebiet einsetzen, dabei aber selbstverständlich von der gesamten Gemeinde unterstützt werden. Mit Gottes Hilfe bemühen sie sich auch, den Frieden und die Einheit in der Gemeinde zu wahren.

Nach dem feierlichen Pontifikalamt am Sonntag Morgen konnte die Gemeinde erstmals seit langem alle Gläubigen zum gemeinsamen Mittagessen einladen. Dort erklärte Bischof Hiob, was die Beweggründe bei der jüngsten Änderung der Fürbitte für das Vaterland gewesen sind.

Die alte Fürbitte „für unser/das gottbehütete(s) russische(s) Land“ stellte eine Besonderheit der russischen Auslandskirche dar. Sie geht auf die erste Emigration zurück, als die meisten Flüchtlinge vor hatten, in ihre Heimat zurückzukehren, sobald das totalitäre Regime der Sowjetunion zusammenbricht.

Historisch stand an dieser Stelle eine Fürbitte für den Zaren und eine weitere für die Zarenfamilie (alle namentlich erwähnt). Ähnlich war es auch in Byzanz. Das Gebet für ein Land oder ein ethnisches Volk hat es früher nicht gegeben. In der Russischen Auslandskirche waren neben Russen stets auch Ukrainer, Georgier, Serben und Deutsche Teil der Gemeinden. Seit der Wende und dem Zustrom von sog. Russland-Deutschen und anderen Immigranten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion – Menschen, die größtenteils nach Deutschland kommen, um zu bleiben – ist eine Änderung dieser Fürbitte eigentlich überfällig gewesen. Der Ukraine-Konflikt hat die Notwendigkeit einer Anpassung deutlich gemacht.

Die neue Formulierung bedarf allerdings auch einer Erklärung: „Für unser gottbehütetes Vaterland“ soll einerseits jedem ermöglichen, hier für seine Heimat zu beten. Andererseits stellen die Fürbitten im Gottesdienst ein gemeinsames, konziliares Gebet dar. Darum machte Bischof Hiob deutlich, dass nicht nur Jeder für seine eigene Heimat betet, sondern wir alle gemeinsam für alle Heimaten unserer Mitbrüder und -schwestern beten.

Nach dem Essen machte der Bischof von Stuttgart noch einen Rundgang auf dem Kirchenareal. Viele Räume wurden als Unterkunft für Flüchtlinge bereitgestellt. Der Saal, der normalerweise für Veranstaltungen und Versammlungen genutzt wird, dient derzeit dazu, ankommende Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen: Geschirr, Spielzeug, Kinderwagen und Kleidung, nach Art und Größe sortiert und beschriftet, liegen hier ordentlich aufgestapelt zum Mitnehmen bereit.

Auf dem großen Gelände der Kirche mit Spiel- und Sportplatz spielen geflüchtete Kinder mit einheimischen zusammen. Im frisch renovierten Jugend-Freizeitraum bietet sich ein ähnliches Bild.

Mit diesen hoffnungsvollen Eindrücken machte sich Bischof Hiob auf den Heimweg.

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